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Die Sprache der Neo-Sannyas-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren

Im Rahmen eines Projekts zur Geschichte der Neo-Sannyas-Bewegung in Deutschland soll die Semantik der „Rajneesh-Times Deutschland", des zentralen Presseorgans der Bewegung, für die ersten zehn Jahre ihres Erscheinens März 1983 – März 1993 untersucht werden.  Ziel der Analyse ist es, die Funktion der Sprache für die Dynamik und Stabilität dieser neuen religiösen Bewegung genauer zu bestimmen.  Dabei wird im Rahmen eines praxeologischen Gesamtansatzes der Sprachhaushalt als „Register" (Thomas Welskopp) aufgefasst, der im Wechselspiel mit dem Handeln und der Ästhetik den Spielraum möglicher Praxis, also den Habitus (Pierre Bourdieu) sowohl reflektiert als auch schafft. Eine neu-religiöse Bewegung, wie die der Neo-Sannyasins, wird also nicht lediglich verstanden als Umsetzung einer Lehre und als Gefolgschaft eines Meisters, sondern als ständig durch ihre Mitglieder (im Wechselspiel mit der Umwelt) neu zu schaffendes, fragiles Projekt.

Hierzu werden zunächst die behandelten Themen und die unterschiedlichen Textgattungen (Beiträge – übernommene und eigene, Interviews, Anzeigen, Ratgeber u.a.) auf ihre Inhalte als auch Funktionen hin untersucht, wobei auch letztere aus den Textinhalten selbst zu ermitteln sind. In einem zweiten Schritt wird der Wortschatz computerunterstützt erfasst. Hierzu sind schon umfangreiche Vorarbeiten der Texterfassung vorgenommen worden.  Es werden die Leitbegriffe ermittelt und ihr semantischer Kontext untersucht. Umgekehrt wird gefragt, ob und mit welchen semantischen Besonderheiten traditionelle religiöse Begriffe eine Rolle spielen. Wie setzt man sich mit der religiösen und nicht-religiösen Umwelt sprachlich auseinander? Welche Vergleichsmasstäbe werden benutzt? Drittens wird gefragt, ob es eine Art „Sondersprache" der Bewegung gibt, etwa durch Begriffsneu- und -umprägungen, durch mehrsprachige Hybridformen oder durch spezifische Redewendungen, mit deren Hilfe die eigene Identität gestärkt und sich von der Umwelt abgegrenzt wird.  

In einem weiteren Schritt wird untersucht, wie sich diese drei Analyseebenen in der Diachronie zueinander verhalten und durch ihre Differenzen Handlungsspielräume eröffnen und Kontinuität im Wandel ermöglichen.