Neues Forschungsprojekt untersucht „Netzwerke missionarischen Sammelns“
Diesen Fragen widmet sich das neue Forschungsprojekt „Netzwerke missionarischen Sammelns: Zur Provenienz der Sammlungen der Afrikamissionare – Weiße Väter e.V.“, das am 1. Juli 2026 am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum startet. Gefördert wird das zweijährige Vorhaben vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. In dem Projekt werden diese Fragestellung exemplarisch an der Sammeltätigkeit der katholischen Missionsgesellschaft der Afrikamissionare, umgangssprachlich auch als „Weiße Väter“ bekannt, untersucht. Seit ihrer Gründung im Jahr 1878 ist die Missionsgesellschaft in vielen Ländern im subsaharischen Afrika tätig. Im Zuge ihrer Arbeit in Afrika gelangten zahlreiche Artefakte nach Europa. Diese Sammlungen sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der Geschichte der Herkunftsländer wie auch die der ehemaligen Kolonialstaaten.
Das Projekt richtet den Blick auf die Netzwerke missionarischen Sammelns und will aufzeigen, dass Missionar*innen nicht isoliert handelten, sondern in vielschichtige Beziehungen mit lokalen Gemeinschaften, kolonialen Verwaltungen und weiteren Akteur*innen eingebunden waren. Diese Verflechtungen prägten maßgeblich, welche Objekte gesammelt wurden, auf welchen Wegen sie nach Europa gelangten und wie sie in neuen Kontexten gedeutet wurden. Mit diesem netzwerkorientierten Ansatz leistet das Projekt einen Beitrag zur Grundlagen- und Kontextforschung der Provenienzforschung.
Indem es missionarisches Sammeln als komplexen sozialen und historischen Prozess rekonstruiert, will es neue Perspektiven auf Sammlungen aus kolonialen Kontexten zu eröffnen. Insbesondere soll sichtbar werden, dass die Sammeltätigkeit von Missionar*innen das Ergebnis multilateraler Beziehungen und transnationaler Austauschprozesse ist. Mit diesem Ansatz knüpft das Projekt an bisherige Forschungsergebnisse im Forschungsschwerpunkt „Missionssammlungen“ am CERES an.
Projektleiter Dr. Martin Radermacher erläutert:
„Die Sammeltätigkeiten von Missionaren waren stets in komplexe Netzwerke eingebettet, die bis heute kaum verstanden und rekonstruiert werden. Dieses Projekt versteht sich als Grundlagen- und Kontextforschung, die den Diskurs um Provenienzforschung vor allem im subsaharischen Afrika bereichern soll.“
Das Vorhaben wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert, das Forschungsprojekte zur Herkunft von Kulturgütern unterstützt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auch auf der Erforschung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Ziel der Förderung ist es, wissenschaftliche Grundlagen für einen transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit Kulturgut zu schaffen und internationale Kooperationen in der Provenienzforschung zu stärken.