Prof. Dr. Anna Neumaier ordnet das Phänomen der Christfluencer*innen ein
Anlässlich aktueller Berichte über Christfluencer*innen, die aufgrund möglicher Verbindungen ins rechtsextreme Milieu im Fokus des Verfassungsschutzes stehen, ordnet Prof. Dr. Anna Neumaier das Phänomen wissenschaftlich ein. Im Gespräch mit CT Radio erläutert sie, was sich hinter dem Begriff verbirgt und weshalb christliche Inhalte auf Social Media nicht pauschal einer bestimmten politischen Richtung zugeordnet werden können.
Wie Neumaier erklärt, setzt sich der Begriff „Christfluencer*innen“ aus den Wörtern „Christ“ und „Influencer“ zusammen. Gemeint sind Menschen, die sich selbst als christlich verstehen und Inhalte zu ihrem Glauben auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube veröffentlichen. Dabei reicht das Spektrum von persönlichen Einblicken in den Glaubensalltag über theologische Themen bis hin zu gesellschaftspolitischen Diskussionen.
Besonders betont Neumaier die Vielfalt innerhalb der Szene. Christfluencer*innen vertreten sehr unterschiedliche religiöse und politische Positionen – von liberalen und progressiven bis hin zu traditionalistischen oder rechtskonservativen Haltungen. Unterschiede zeigten sich beispielsweise in Fragen der Gleichberechtigung, der Segnung homosexueller Paare oder des Rollenverständnisses von Frauen und Männern.
Auch den möglichen Einfluss religiöser Content Creator*innen auf die politische Meinungsbildung ordnet Neumaier ein. Politische Positionen könnten zusätzliche Überzeugungskraft entfalten, wenn sie religiös begründet würden und sich an Menschen richteten, die sich derselben Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen. Wie groß dieser Einfluss tatsächlich ist, werde derzeit wissenschaftlich untersucht.
Die Podcastfolge „Was sind eigentlich Christfluencer*innen?“ erschien am 25. Juni 2026. Sie wurde von Greta Tripp für CT Radio produziert und ist unter https://www.ctdasradio.de/artikel/was-sind-eigentlich-christfluencerinnen/ verfügbar.