Zwei neue Publikationen von Zaroui Pogossian geben Einblicke in das mittelalterliche Armenien
Der Ausstellungskatalog „Cultural Entanglements across Medieval Armenia“, herausgegeben von Zaroui Pogossian gemeinsam mit Gohar Grigoryan und Irene Tinti, begleitet die Abschlussausstellung des ERC-geförderten Projekts Armenia Entangled – Reimagining Cultural Encounters and Connectivity in Medieval Eurasia (9th–14th Century). Die Publikation erschien zum Ende der Projektförderung und präsentiert 27 Fallstudien, die anhand von Handschriften, Inschriften, Münzen, Architektur, Kunstwerken und Alltagsgegenständen die vielfältigen kulturellen Begegnungen im mittelalterlichen Armenien veranschaulichen. Die ausgewählten Objekte erzählen von Austauschprozessen zwischen unterschiedlichen religiösen, sprachlichen und politischen Gemeinschaften und machen den transkulturellen Forschungsansatz des Projekts einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
Armenia Entangled entwickelte einen neuen Forschungsrahmen, der Armenien und die angrenzenden Regionen des südlichen Kaukasus, Anatoliens und Nordmesopotamiens als polyzentrischen Raum intensiver kultureller Verflechtungen zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert versteht. Das CERES war über ein Bochumer Teilprojekt eng an diesem ERC-Projekt beteiligt. Prof. Dr. Alexandra Cuffel untersuchte mittelalterliche Epen und Erzähltraditionen mit besonderem Augenmerk auf Frauen als kulturelle Vermittlerinnen zwischen religiösen und ethnischen Gruppen. Dr. Barbara Roggema erforschte bislang wenig erschlossene arabische und syrische Quellen zu den Beziehungen zwischen armenischen Christinnen, syrischen Christinnen und muslimischen Gemeinschaften. Gemeinsam mit Zaroui Pogossian analysierte sie unter anderem die arabisch überlieferte und später ins Armenische übersetzte Polemik Abrahams von Tiberias sowie armenische Quellen über den Propheten Muhammad. Beide Wissenschaftlerinnen leisteten darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des theoretischen Rahmens des Projekts.
Mit dem Sammelband „Medieval Yeghegis, Armenia“, herausgegeben von Zaroui Pogossian und Michele Nucciotti, werden die Ergebnisse langjähriger interdisziplinärer Forschungen zur mittelalterlichen Siedlung Yeghegis vorgestellt. Der Band knüpft an Forschungen an, die im ERC-Projekt JewsEast mit den Untersuchungen des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs von Yeghegis begonnen wurden, und entwickelt diese weiter. Archäologische, historische und kulturwissenschaftliche Beiträge zeichnen Yeghegis als regionales Zentrum nach, das eng in die Handels-, Mobilitäts- und Kommunikationsnetzwerke des mittelalterlichen Eurasien eingebunden war. Die Beiträge verdeutlichen, wie sich lokale Entwicklungen und großräumige politische sowie kulturelle Prozesse gegenseitig beeinflussten und wie selbst kleinere Orte zu Knotenpunkten kultureller Begegnungen wurden.
Die beiden Neuerscheinungen spiegeln zugleich die langjährige Verbindung Zaroui Pogossians zum CERES wider. Bereits von 2015 bis 2020 war sie als Research Associate im ERC-Projekt JewsEast tätig, in dessen Rahmen unter anderem die Forschungen zum mittelalterlichen jüdischen Friedhof von Yeghegis ihren Ausgang nahmen. Darüber hinaus war sie zuvor Fellow am Käte Hamburger Kolleg Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa des CERES. Mit Armenia Entangled setzte sie ihre Zusammenarbeit mit dem CERES fort und arbeitete eng mit den Bochumer Religionswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Alexandra Cuffel und Dr. Barbara Roggema zusammen. Die beiden Publikationen stehen damit zugleich für eine über mehrere Forschungsprojekte hinweg gewachsene wissenschaftliche Kooperation.