Religionswissenschaft studieren in Bochum: Schwerpunkte am CERES
"Ich habe mich für das CERES entschieden, weil ich hier ohne Bekenntnis zu einer Religion eben diese studieren kann. Besonders gefällt mir, dass das CERES auch geografisch über den Tellerrand schaut und man Religionen und ihre Quellensprachen auch außerhalb von Westeuropa erforschen kann." Julius, BA-Student am CERES
Religionswissenschaft in Bochum: Studieren an Deutschlands größtem Zentrum
Ein besonderer Vorteil des Studienstandorts Bochum ist das Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES). Als größtes religionswissenschaftliches Zentrum Deutschlands vereint das CERES Forschung und Lehre zu Religionen aus unterschiedlichen Epochen, Regionen und kulturellen Kontexten.
Studierende profitieren von dieser einzigartigen Breite an Expertise, vielfältigen Forschungsschwerpunkten und einem interdisziplinären akademischen Umfeld. Das gut strukturierte Studienprogramm, die enge Betreuung durch Dozierende und die Möglichkeit ein Studiensemester im Ausland zu verbringen, sind weitere Vorteile. All das macht das CERES als eines der führenden religionswissenschaftlichen Zentren Europas und die Ruhr-Universität Bochum insgesamt zu einem besonders attraktiven Studienort für alle, die Religionen und religiöse Kulturen wissenschaftlich erforschen möchten.
Der Standort Bochum ist für das Studium der Religionswissenschaft darüber hinaus sehr gut geeignet, da die Stadt mitten in einer interkulturell geprägten Metropolregion liegt, die von hoher religiöser Vielfalt geprägt ist. Unterschiedliche religiöse Praktiken und Glaubensüberzeugungen prägen das Miteinander in den zahlreichen Städten des Ruhrgebiets, und Studierende der Religionswissenschaft erforschen diese plurale Religionslandschaft ganz konkret in ihrem Studium.
Religionswissenschaft kann in Bochum im Rahmen des 2-Fach Bachelorprogramms sowohl im Erstfach, als auch im Zweitfach studiert werden.
Schwerpunkte des Studiums am CERES
Breite Einführung in Religionen und Kulturen der Welt
Fundierte Methoden- und Forschungsausbildung
Kompetenzen in wissenschaftlicher Kommunikation und Wissensvermittlung
Interkulturelle Fähigkeiten für eine global vernetzte Gesellschaft
Mehr Infos zu unseren Studienbereichen: https://studium.ceres.rub.de/de/schwerpunkte-in-bochum/
Breite Perspektiven statt enger Religionsbegriffe
Das Studium der Religionswissenschaft am CERES vermittelt eine breite und interdisziplinäre Einführung in die Religionen der Welt. Dabei stehen nicht einzelne Religionen als vermeintlich abgeschlossene Systeme im Mittelpunkt, sondern die vielfältigen Beziehungen, Kontakte und Austauschprozesse zwischen religiösen Traditionen. Studierende beschäftigen sich beispielsweise mit den Wechselwirkungen zwischen jüdischen, christlichen und muslimischen Traditionen im mittelalterlichen Europa oder mit religiösen Netzwerken und kulturellen Austauschprozessen in Asien. Dadurch entsteht ein differenzierter Blick auf Religion als dynamischen Bestandteil menschlicher Gesellschaften und Kulturen. Dieser Ansatz prägt sowohl den Bachelorstudiengang als auch die Masterstudiengänge und wird im Master durch regionale und epochenbezogene Schwerpunkte weiter vertieft.
Individuelle Schwerpunktsetzung auf fundierter fachlicher Grundlage
Das CERES legt großen Wert auf individuelle Studienverläufe. Durch einen hohen Anteil an Wahlmöglichkeiten können Studierende bereits früh eigene Interessen verfolgen und persönliche Schwerpunkte setzen. Gleichzeitig sorgt das Studium für eine fundierte fachliche Grundlage und vermittelt zentrale Kenntnisse zu religiösen Traditionen, historischen Entwicklungen und aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Methodenkompetenz und wissenschaftliches Arbeiten
Religionswissenschaft bedeutet mehr als Wissen über Religionen. Im Studium lernen Sie, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, Quellen kritisch auszuwerten und religionsbezogene Phänomene mit unterschiedlichen theoretischen und methodischen Ansätzen zu analysieren. Die Ausbildung verbindet historische, kulturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Studierende erwerben damit wichtige Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten, in der Analyse komplexer Zusammenhänge sowie im selbstständigen Forschen.
Forschung und Wissenskommunikation
Ein besonderes Merkmal des Studiums am CERES ist die enge Verbindung von Forschung und Lehre. Bereits im Studium lernen Sie, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erarbeiten, kritisch zu reflektieren und verständlich zu vermitteln. Dazu gehören das Verfassen wissenschaftlicher Texte ebenso wie Präsentationen, Diskussionen und die zielgruppengerechte Aufbereitung komplexer Inhalte. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für zahlreiche Berufsfelder von großer Bedeutung.
Interkulturelle Kompetenzen für eine vielfältige Gesellschaft
Wer Religionen untersucht, beschäftigt sich immer auch mit kultureller Vielfalt. Das Studium fördert deshalb die Fähigkeit, unterschiedliche Weltanschauungen, Lebensweisen und gesellschaftliche Perspektiven zu verstehen und einzuordnen. Studierende entwickeln interkulturelle Kompetenzen, lernen mit unterschiedlichen Sichtweisen umzugehen und erwerben wichtige Fähigkeiten für die Arbeit in internationalen, kulturell vielfältigen und gesellschaftlich sensiblen Kontexten.
Studienaufbau im Bachelor
Religionswissenschaft wird an der Ruhr-Universität Bochum im Zwei-Fach-Bachelor studiert. Dabei wird das Fach mit einem zweiten Studienfach kombiniert und durch den Optionalbereich ergänzt.
Der Studiengang gliedert sich in verschiedene Module, die schrittweise fachliche Grundlagen, methodische Kompetenzen und Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung vermitteln. Eine Übersicht der Module und Studienstrukturen finden Sie in den Modulhandbüchern im Bereich „Wichtige Dokumente und Anleitungen“.
Gut zu wissen
Religionswissenschaft kann an der Ruhr-Universität Bochum nicht als Lehramtsstudiengang studiert werden.
Informationen zu Prüfungsordnungen, Modulhandbüchern, Kursformen und weiteren organisatorischen Fragen finden Sie im Bereich „Wichtige Dokumente und Anleitungen“.
Ausgewählte Themenschwerpunkte am CERES
Alter Orient
Die Völker des Alten Orients – vornehmlich Sumerer und Akkader, Babylonier und Assyrer, Elamer und Hethiter, Ägypter und Syrer – entwickelten im Zuge der drei vorchristlichen Jahrtausende diverse religiöse Vorstellungen, deren Einflüsse auf Judentum, Christentum, Zoroastrismus und Islam nicht zu unterschätzen sind. Ein Überblick über die Vielfalt altorientalischen Weltverständnisses und religiöser Praktiken soll nicht zuletzt Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie gegenseitige Beeinflussungen im multikulturellen Kontext des vorderasiatischen Raumes darlegen. Ausgesuchte Beispiele von religiöser Kommunikation, rituellem Handeln und symbolischen Darstellungsformen sollen die Entwicklung sinnstiftender Systeme innerhalb der altorientalischen Welt aufzeigen und zum interkulturellen Vergleich anregen.
Zur Einordnung und zum Neugierig-machen einige Themenfelder: Babylon, Nabel der Welt, mit seinem berühmten Turm – uralte Wahrsagekünste wie Leberschau und Sternenbeobachtung als Vorläufer moderner Wissenschaften – Polytheismus und Monotheismus nebeneinander in einer Welt – mythische Erzählungen über Inanas Gang in die Unterwelt oder die Geburt des Zahnwurms – Rituale zum Schutz des Königs bei einer Mondfinsternis oder zum ordentlichen Beginn des neuen Jahres – Ursprungsgeschichten auch von Hexenverfolgung und Dämonengestalten, die wie etwa Pazuzu Jahrtausende überdauerten.
Das Akkadische (Assyrisch-Babylonisch) – die älteste semitische Sprache des Vorderen Orients, in der etwa das weltberühmte Gilgamesch-Epos oder die Sintflutgeschichte verfasst worden sind – war bis zum Beginn des Christentums für fast drei Jahrtausende fester Bestandteil vorderasiatischer Sprachkultur. In Keilschrift niedergeschrieben verfügen wir heute über einen Fundus von Hunderttausenden von Tontafeln. Wer besonders tief in die altorientalische Kultur eintauchen möchte, bieten wir die Möglichkeit, diese Sprache zu lernen.
Digital Humanities
Wenn wir uns Forschung in der Religionswissenschaft vorstellen, denken wir häufig an das Lesen von alten Büchern oder die Beobachtung religiöser Gemeinschaften vor Ort. Tatsächlich findet ein Großteil der Arbeit von Religionswissenschaftler*innen mittlerweile am Computer statt. Und das nicht nur, weil E-Mails-Schreiben oder das Finden neuer Forschungsliteratur eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag spielt. Auch das, was wir in der Religionsforschung untersuchen, hat sich längst zu großen Teilen digitalisiert.
Egal, ob wir antike Texte studieren oder religiöse Gruppen der Gegenwart, die Chancen stehen gut, dass wir es (auch) mit digitalen Quellen zu tun haben. Denn zum einen nutzen nicht nur Religionswissenschaftler*innen Computer, sondern auch die Menschen, die wir untersuchen, und digitale Kommunikation spielt für sie häufig eine wichtige Rolle. Und zum anderen sind auch historische Quellen in vielen Fällen digitalisiert und sind so schnell und von jedem Ort erreichbar.
Was bedeutet diese digitale Transformation letztlich für die Religionswissenschaft? Ist es vor allem ein Zuwachs an Bequemlichkeit, wenn ich nicht mehr meinen Schreibtisch verlassen muss, um wichtige Quellen zu finden? Sind unsere Quellen noch Quellen, oder schon Daten, und was ist der Unterschied? Inwieweit ergeben sich hier auch neue Möglichkeiten in der Auswertung, etwa bei der Analyse großer Textsammlungen, die ein Mensch kaum alleine lesen kann? Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz zukünftig in der Religionsforschung? Müssen wir alle Programmieren lernen?
Mit solchen Fragen befasst sich der Schwerpunkt Digital Humanities am CERES. Humanities ist dabei der englische Begriff für die Geistes- und Kulturwissenschaften und Digital Humanities, oder kurz DH, hat sich mittlerweile international als Bezeichnung eingebürgert. Die DH befassen sich dabei aktiv mit der Frage, welche Konsequenzen die Digitalisierung für die Geisteswissenschaften hat, und wie sich diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern auch gestalten lässt.
Studierende am CERES haben die Möglichkeit, sich in verschiedenen Formen mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Dabei lernen sie ganz handfest digitale Werkzeuge kennen, haben aber auch Raum, darüber nachzudenken, was diese digitale Transformation eigentlich für die Wissenschaft bedeutet – und für die Gesellschaft, in der sie stattfindet.
Judentum
Aus religionswissenschaftlicher Perspektive ist die jüdische Tradition eine gewachsene Religion, die eine radikale Antwort auf die Frage der ontologischen Verschiedenheit von Gott und Welt entwickelt hat und damit die Vorstellung von der Transzendenz Gottes und einem ethischen Monotheismus prägte, die nachfolgend Eingang in die christliche und islamische Tradition fand.
Ob der jüdischen Existenz in diasporischen Strukturen – die seit der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahre 70 und bis zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 die Norm bildete – nimmt die Betrachtung der vielfältigen Formen jüdischer Existenz, ebenso wie der Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Umgebungskultur bei der Betrachtung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur eine zentrale Rolle ein.
Die zentralen historischen Entwicklungslinien und vielfältigen jüdischen Lebenswirklichkeiten in Antike, Mittelalter, Früher Neuzeit und Moderne können im Rahmen einer Einführung nur angeschnitten werden. In vertiefenden Kursen besteht hingegen die Möglichkeit, Beispiele von religiöser Sinnbildung, aber auch von Alltagskontakten, der Partizipation an philosophischen und literarischen Diskursen oder polemischen Auseinandersetzungen detaillierter zu studieren. Gleiches gilt für die Konsequenzen und Reaktionsmöglichkeiten auf Judenfeindschaft und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Studierende, die sich im Rahmen ihres Studiums vertiefend mit jüdischer Geschichte auseinandersetzen möchten, sollten das Erlernen relevanter Quellensprachen (insbesondere hebräisch, jiddisch) möglichst früh in ihrem Studienverlauf in Erwägung ziehen und in dieser Frage die Lehrstuhlinhaberin kontaktieren.
Modernes Christentum
Am CERES werfen wir aus religionssoziologischer Perspektive einen Blick auf das moderne Christentum. Welche Glaubensgrundsätze und Praktiken sind hier vorherrschend? Welche soziostrukturellen Merkmale zeichnen seine Anhänger*innen aus? Wie hat es sich im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert? Der Fokus liegt hier insbesondere (aber nicht ausschließlich) auf den USA. Es werden regelmäßig Kurse zur vielfältigen Religionslandschaft der Vereinigten Staaten angeboten, die nicht nur europäisch-stämmige Denominationen wie Lutheraner, Methodisten und Episkopale sowie den amerikanischen Katholizismus untersuchen, sondern vor allem auch genuin amerikanische Entwicklungen wie den Evangelikalismus und das Mormonentum.
Ein besonderer Fokus im Bereich des modernen Christentums liegt auf dem pfingstlerisch-charismatische Christentum und seiner Ausbreitung in verschiedenen Teilen der Welt, darunter insbesondere im Globale Süden. Warum wächst diese christliche Bewegung so rasant an und zählt mittlerweile deutlich über 500 Millionen Anhänger*innen weltweit? Wie kann die theologische Grundlage der „Gaben des Heiligen Geistes“ – Zungenrede, Wunderheilung, Prophezeiung, usw. –, die in der Überzeugung der Gläubigen so wichtig ist, aus soziologischer Perspektive eingeordnet werden? Welche Rolle spielen Vergemeinschaftung in der Gruppe, im Rahmen derer religiöse Erfahrung bestätigt und legitimiert wird? Und wie schafft es diese vielfältige Strömung, sich in unterschiedliche Kontexte einzufügen, sich an diverse soziale und kulturelle Strukturen anzupassen – von nordamerikanischen Megakirchen, die das Wohlstandsevangelium predigen, über lateinamerikanische Gemeinden, die die machismo-Kultur zu überwinden suchen, bis hin zu afrikanischen Kirchen, die Auswege aus der Armut versprechen und asiatischen Gemeinden, die wieder andere Interpretationen verfolgen – und dabei die Identität als eine zusammenhängende, globale Bewegung aufrechtzuhalten? Diesen und andere Fragen werden in diversen Seminaren und Lehrforschungsprojekten nachgegangen.
Ostasien
Spricht man über die Religionen Ostasiens, dann denkt man zuerst mal an Buddhismus, Mönche im Schneidersitz, alte Temple, Glockenklänge und ein zurückgezogenes Leben. Die ostasiatische Religionslandschaft ist jedoch weitaus diverser und bunter, als man auf den ersten Blick vermutet. Am CERES bieten die Dozierenden tiefe Einblicke in die Geschichte, Inhalte, Praktiken und Varianten der unterschiedlichen Religionen in China, Korea und Japan.
Im Lehrprogramm am CERES geht es um die Vermittlung der Verbindungen der Religionen im ostasiatischen Raum. Dabei werden nicht nur der bekannte Buddhismus inklusive seiner vielen Schulen behandelt, sondern auch die Lehren des Konfuzianismus, der Daoismus, der japanische Shintoismus und die verschiedenen Religionen, die ihren Weg über die Jahre nach Ostasien gefunden haben. Die Vielfältigkeit der ostasiatischen Religionen wird anhand von Texten, Übersetzungen und kritischen Auseinandersetzungen mit der aktuellen Forschung untersucht. Daher ist es auch möglich, Originalquellen auf (Klassisch-)Chinesisch, Koreanisch oder Japanisch zu behandeln. Die intensive Beschäftigung mit den orginalen Werken macht nicht nur Spaß, sondern hilft auch, eigene Forschungsansätze direkt am Material zu entwickeln.
Die Dozierenden kommen aus der Religionswissenschaft, Sinologie, Japanologie und Koreanistik, was bedeutet, dass Studierende einen umfassenden Einblick in die ostasiatischen Religionen, Kulturen und Sprachen erhalten. Welche Sutren Mönche beten oder chanten, welche Rolle Berge und religiöse Bilder spielen und inwiefern die Geschichte die Moderne bis heute beeinflusst, wird hier besprochen.
Populärkultur
Marvels Thor ist ein nordischer Gott, im MMORPG „World of Warcraft“ kann man die „Kathedrale des Lichts“ besuchen und in Großbritannien gibt es eine steigende Anzahl an Gläubigen des Jediismus, der sich an den Jedis aus dem Star Wars-Universum orientiert – Religion ist in der Populärkultur omnipräsent.
Popkultur begegnet uns in Form von Musik, Büchern, Comics, Manga, Anime, Serien, Filmen, Videospielen oder aber in viel vermarkteten Buddha-Statuen und Modeitems mit religiösen Elementen und wird in der Wissenschaft aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Allein die Verortung und Gestaltung der Popkultur innerhalb der Gesellschaft ist ein spannendes Forschungsfeld innerhalb der Medien-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Aus religionswissenschaftlicher Perspektive wird die Popkultur insbesondere dann interessant, wenn in ihr, durch sie oder mit ihr Religion erklärt, verhandelt, vermarktet, kritisiert oder dargestellt wird. Wie andere Religionsgemeinschaften Populärkultur nutzen oder sich durch diese beeinflussen lassen, ist ebenfalls Untersuchungsgegenstand der Religionswissenschaft.
Am CERES nähern wir uns dem Forschungsfeld Religion und Popkultur daher aus theoretisch und empirischer Perspektive. Wir wollen verschiedene Zugänge zu den Medien der Popkultur diskutieren, die Rolle der Religion(en) und ihre Nutzung in ihnen analysieren und mithilfe von u. a. sozial- und bildwissenschaftlichen Theorien und Methoden Verknüpfungspunkte und herausarbeiten.
Der methodisch begründete Konsum popkultureller Medien – alles für die Wissenschaft! – ist dafür natürlich unumgänglich.
Religion und Wirtschaft
Am CERES interessieren wir uns für die vielfältigen Zusammenhänge zwischen den gesellschaftlichen Teilbereichen Religion und Wirtschaft. Denken wir an Religion, schweben uns vielleicht Tempel, Synagogen, Moscheen und Kirchen vor Augen; Gläubige, die verschiedenste Rituale vollziehen und ihren Glauben auf unterschiedliche Weise ausdrücken; heilige Schriften und Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden; und vieles mehr. Denken wir an Wirtschaft, so schweben uns börsennotierte Unternehmen, lukrative Geschäfte, finanzielle Erträge und weiteres vor. Wie aber hängt beides zusammen?
Religion und Wirtschaft hängen auf unterschiedliche Weise zusammen. Zum Beispiel müssen sich Tempel, Synagogen, Moscheen und Kirchen als religiöse Organisationen bzw. Unternehmen finanzieren: Es fallen Kosten für den Unterhalt von Gebäuden und Angestellten an, die durch Steuern oder Spenden beglichen werden. Hier haben wir es mit wirtschaftlichen Transaktionen in Gotteshäusern zu tun. Ein ganz anderes Beispiel sind religiöse Vorgaben für wirtschaftliches Handeln von Individuen und Gruppen: Alle Religionen haben im Laufe der Zeit Ethiken entwickelt, die sowohl generelle Normen und Werte als auch spezifische Ge- und Verbote in Bezug auf ökonomisches Verhalten aufweisen. Man denke an die verpflichtende Steuerabgabe des zakat, eine der fünf Säulen des Islam; das Verbot des Wirtschaftsbetrugs im Judentum; das Besitzverbot für buddhistische Mönche und Nonnen; oder das Wohlstandsevangelium im Christentum, welches materiellen Reichtum umgekehrt als positiv darstellt.
Religion und Wirtschaft hängen darüber hinaus auch aus Perspektive der beiden Disziplinen der Religionswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft zusammen. In der Forschung werden Methoden der Mikroökonomik, einem Teilbereich der Wirtschaftswissenschaft, angewendet, um religiöses Verhalten und religiöse Institutionen zu untersuchen; umgekehrt gibt es in der Religionswissenschaft, insbesondere der Religionssoziologie und der religionsbezogenen Wirtschaftssoziologie, zahlreiche Untersuchungen zu den Auswirkungen wirtschaftlicher Logiken auf Religion und die Wechselwirkungen zwischen religiösen Ethiken und wirtschaftlichen Entwicklungen in unterschiedlichen Gesellschaften.
Diese vielfältigen Beziehungen zwischen den Teilbereichen Religion und Wirtschaft sind Thema regelmäßiger Seminare und Lehrforschungsprojekte am CERES. Studierende lernen, wie man Religion aus ökonomischer Perspektive untersuchen kann und erforschen, welche Rolle Wirtschaft in religiösen Gemeinschaften spielt.
Religion und Medien
Knapp 70.000 Besucher*innen hatten die Gottesdienste ausgewählter evangelischer Landeskirchen vor Corona. Knapp 200.000 Klicks haben die digitalen Gottesdienste der gleichen Gemeinden zu Beginn der Corona-Pandemie generiert – und damit eine Teilnahmesteigerung von beinahe 300% (vgl. Hörsch, Midi-Studie 2020) hingelegt. Diese Gegenüberstellung zeigt einerseits die Potentiale neuer Medien im Feld der religiösen Kommunikation auf – auf einmal verschwinden territoriale Grenzen, wird die Teilnahme an Veranstaltungen niedrigschwelliger, wird vielleicht Kreativität freigesetzt und neue Faszination generiert. Gleichzeitig ruft die Gegenüberstellung vielleicht auch kritische Rückfragen auf den Plan – zur Vergleichbarkeit der Daten, zu den Unterschieden der medialen Kontexte oder zur vermuteten Ausgestaltung und Bedeutung der Teilnahme für die Rezipient*innen.
Das Feld digitaler Medien, wie es am CERES bearbeitet wird, umfasst dabei aber nicht nur den Transfer bestehender Formate in eine neue mediale Form. Es beinhaltet auch etwa den Auftritt neuer religiöser Influencer*innen, die hergebrachte Konzepte religiöser Autorität hinterfragen lassen, neue Formen digitaler Vergemeinschaftung in Messenger-Gruppen oder spiritueller Apps, die den Blick auf den Wandel religiöser Sozialformen und Praktiken richten.
Dabei sind Medien natürlich kein Spezifikum der Gegenwart. Die mediale Vermittlung religiöser Inhalte und Vorstellungen oder der besondere Einsatz von Medien in Konstellationen von etwa Mission oder Diaspora sind verbreitete Phänomene der Religionsgeschichte. Dabei haben gleichermaßen religiöse Institutionen Medienentwicklung vorangetrieben wie auch Medien Wendepunkte im Feld religiöser Traditionen (mit-)verursacht. Das macht es für uns am CERES umso spannender, den Blick auf die Transformation des Verhältnisses von Religion und Medien zu richten und nach Kontinuitäten und Brüchen in der Religions- und Mediengeschichte zu fragen.
Schließlich bringt eine systematisch-religionswissenschaftliche Perspektive mit sich, das Feld von Religion in den Medien eben nicht nur als Phänomen sui generis zu betrachten. Vielmehr ist das mediale Feld einerseits nahtlos eingewoben in das Alltagshandeln und die Lebenspraxis seiner Nutzer*innen. Andererseits werden dort, medial manifestiert, auch häufig einfach größere gesellschaftliche Trends besonders zugespitzt sichtbar, etwa von der Individualisierung religiöser Praxis oder der Entkonfessionalisierung religiöser Identität. Damit schließt die Beschäftigung mit diesem Feld an vielfältige andere Fragestellung aus den anderen systematischen und regionalen Schwerpunkt des CERES an.
Südasien
Zwischen Mandala-Malbüchern, Buddha-Figuren, die im Laden um die Ecke gekauft werden können, online Yoga-Kursen und Aussagen wie "Ich glaub, das war Karma" lassen sich immer wieder Spuren südasiatischer Religionen in unserem täglichen Leben und der Alltagssprache entdecken. Doch wie wir mit diesen Objekten und Begriffen umgehen, unterscheidet sich oft sehr stark von ihrer ursprünglichen Bedeutung und Funktion. Wollen Sie herausfinden, inwiefern? Dann sind Sie hier goldrichtig!
Am CERES behandeln wir verschiedene Aspekte und Teilgebiete südasiatischer Religionen sowie unterschiedliche zeitliche Abschnitte der Religionsgeschichte Südasiens. Wir bieten Einführungskurse in die Geschichte des Hinduismus, des Buddhismus und Jainismus an sowie Vertiefungskurse, die Begegnungen und Kontakte verschiedener religiöser Gruppen der Region thematisieren, wie sie in Objekten wie Bildern, Statuen und Tempel zu finden sind. Digitale Medien als Kommunikationsmittel zwischen religiösen Gruppen und verschiedenen Formen des Göttlichen spielen ebenfalls eine Rolle. Sie werden lernen, warum ein geköpfter Buddha auf der Veranda Ihres Nachbarn den meisten Buddhist:innen nicht gefallen würde und dass Karma nicht (nur) der Freund von Taylor Swift ist.
Systematik
Die systematische Religionswissenschaft interessiert sich für Religion aus einer nicht-konfessionellen, d.h. neutralen, Perspektive. Sie fragt anders als die Theologien nicht nach religiösen „Wahrheiten“, sondern nach den Ursachen und Auswirkungen religiösen Verhaltens. Religiöses Handeln kann in diesem Sinne individuell oder kollektiv sein; ersteres ist für die Religionspsychologie, letzteres für die Religionssoziologie und die Religionsethnologie besonders interessant.
Am CERES konzentrieren wir uns in systematischen Seminaren vor allem auf religionssoziologische und -ethnologische Perspektiven, um religiöses Verhalten unter Rückgriff auf klassische Theorien und neue Ansätze der Religionswissenschaft zu erklären. Inwiefern sind religiöse Rituale für die Bestätigung des Weltbilds einer Gruppe und ihrer Integration in die Gemeinschaft wichtig? Was ist der Unterschied zwischen Religion und Magie? Und zwischen Religion und Spiritualität? Wie verändert sich Religion in der Moderne, und was verstehen wir unter den Begriffen Modernisierung, Säkularisierung und Rationalisierung? Studierende lernen unterschiedliche Theorien und Ansätze kennen, die das Schwinden organisierter Religion, die individuelle Neuinterpretation von Glaubensgrundsätzen und Praktiken sowie das Erstarken fundamentalistischer Bewegungen einordnen. Dabei wird auch auf analytische Begriffe wie Autorität oder Materialität zurückgegriffen sowie gesellschaftliche Entwicklungen wie moderne Medien und Gendergleichberechtigung einbezogen.
Zur religionswissenschaftlichen Systematik gehört auch die Vermittlung von Grundkenntnissen der qualitativen Methoden empirischer Religionsforschung. Wie konzipiere ich ein Forschungsprojekt? Wie bereite ich eine Datenerhebung vor und führe meine Forschung durch? Wie werte ich die Ergebnisse im Anschluss aus, und wie kann ich sie in einem weiteren Schritt verschriftlichen? Wie reflektiere ich meine Rolle im Feld? Die systematische Religionswissenschaft bietet damit eine vielfältige Einführung in sowohl theoretische Ansätze als auch empirisch-methodische Vorgehensweisen.
Zentralasien
Das CERES bietet als einzige religionswissenschaftliche Einrichtung im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit, zentralasiatische Religionsgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart zu studieren und zu erforschen. Der Bereich der zentralasiatischen Religionsgeschichte widmet sich der Religionsforschung zwischen Ostasien, dem indischen Subkontinent und Westasien und befasst sich mit der Netzwerkfunktion Zentralasiens in der Dynamik des Religionstransfers: Entlang seiner wichtigen Handelswege (gemeinhin als Seidenstraßen bezeichnet) und durch multi-ethnische und vielsprachige Akteure wurde die Verbreitung der großen Religionsgeflechte (wie Buddhismus, Christentum, Islam, Judentum, Manichäismus, Zoroastrismus) zwischen den angrenzenden Kulturräumen im Osten, Süden und Westen maßgeblich ermöglicht.
Die Vorlesung zur Religionsgeschichte Zentralasiens gibt einen Überblick über die Verbreitung der wichtigsten Religionsgeflechte; eine sinnvolle Ergänzung dazu sind die entsprechenden Vorlesungen zu Ost-, Süd- und Westasien, um einen guten Eindruck eurasischer Religionsgeschichte zu erhalten – eine einzigartige Möglichkeit, die es so nur am CERES gibt. In Vertiefungskursen können vor allem spezielle Themen zum Buddhismus und zu den Religionen in Tibet und der Mongolei studiert werden (Karmalehre, philosophische Diskurse, Ritualpraxis, Meditationstraditionen etc.).
Studierende, die sich im Verlauf ihres Studiums vertiefend mit buddhistischer Religionsgeschichte befassen möchten, sollten frühzeitig relevante Quellensprachen erlernen. Am CERES werden Einführungen und Lektürekurse zum Klassischen Tibetisch, Sanskrit und Alt-Uigurisch und in der OAW zum Klassischen Chinesisch angeboten. Durch das Erlernen von Quellensprachen wird die Fähigkeit entwickelt, mit Hilfe von Primärquellen (z.B. in Form von originalsprachlichen Manuskripten) religiöse Transferprozesse zwischen Indien und Zentralasien/Tibet sowie Zentralasien/Tibet und China zu bearbeiten und zu untersuchen.