Lucian Scherman Lecture: Religionen ausstellen - ein Vortrag von Patrick Felix Krüger
Externer Veranstaltungsort
Vier Mal im Jahr lädt das Museum Fünf Kontinente in München zu Vorträgen ein, die zentrale Themen der Ethnologie und Museologie aufgreifen. Die Veranstaltungsreihe ist nach dem Indologen und Museumsleiter Lucian Scherman (1864–1946) benannt, der das Haus von 1907 bis 1933 prägte, bevor er mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus dem Amt gedrängt wurde. Seit 2012 erinnern die Lucian Scherman Lectures an den Mann, der mit seinen Forschungen und Sammlungen – insbesondere zu Südasien – die Grundlage für den heutigen Bestand des Museums legte. Das Museum Fünf Kontinente lädt Dr. Patrick Felix Krüger zur diesjährigen Lucian Scherman Lecture ein.
Lassen sich Religionen ausstellen – und wenn ja, wie? Von dieser Frage ausgehend widmet sich der Vortrag Religion(en) ausstellen im Spannungsfeld von Kult, Kunst und Museum dem spannungsreichen Verhältnis von Museum und Religion. Kirchen wandeln sich in Zeiten sinkender religiöser Bindung zunehmend zu „musealen“ Räumen, während Museen Ausstellungen mit sakraler Anmutung inszenieren. Diese Dynamiken zeigen sich auch im Kontext von Hinduismus und Buddhismus: Religiöse Objekte werden im Museum häufig aus ihrem rituellen Zusammenhang gelöst und als Kunstwerke präsentiert, während Tempel zugleich museale Formen der Inszenierung übernehmen. Zugleich verschwimmen die Grenzen, wenn Museen religiöse Praktiken zulassen und religiöse Orte Ausstellungslogiken adaptieren.
Anhand ausgewählter Beispiele – insbesondere aus dem indischen Kontext – diskutiert der Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Religion(en) durch Objekte, Bilder und Räume sowie die vielfältigen Bedeutungen religiöser Artefakte zwischen spiritueller Praxis und musealer Interpretation.