Über religiöse Vielfalt sprechen: Sammelband aus dem Projekt RePliV erschienen
Die Publikation bildet den Abschluss des Forschungskollegs „Regionale Regulierung religiöser Pluralität im Vergleich“ (RePliV), eines Kooperationsprojekts des Centrums für Religion und Moderne (CRM) der Universität Münster und des Centrums für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum. Gefördert wurde das Projekt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Band versammelt Beiträge von Wissenschaftler*innen verschiedener sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen sowie von Praktiker*innen aus Religionsgemeinschaften, Verwaltung, Medien, Bildungs- und Präventionsarbeit. Gemeinsam diskutieren sie, wie Kommunikation über religiöse Vielfalt in einer pluralen Gesellschaft gelingen kann: differenziert, sensibel und ohne vorschnelle Moralisierungen.
Ausgangspunkt der Forschung und damit auch der Publikation ist die Beobachtung, dass religiöse Vielfalt in Deutschland deutlich sichtbarer geworden ist: durch Migration, gesellschaftlichen Wandel und die abnehmende Bindekraft der großen Kirchen. Diese Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten für das gesellschaftliche Zusammenleben, bringt aber auch Konflikte und Unsicherheiten mit sich. Der Sammelband plädiert dafür, diese Spannungen nicht zu ignorieren, sondern produktiv als Anlass für gesellschaftliche Verständigungsprozesse zu nutzen. Zugleich macht die Publikation auf ein gesellschaftliches Defizit aufmerksam: Obwohl Fragen religiöser Vielfalt hohe politische und soziale Relevanz besitzen, finden sie in öffentlichen Debatten und politischen Strategien bislang häufig nur wenig Beachtung. So hat, wie Holger Arning in der Einleitung der Publikation feststellt, Religionspolitik etwa im Koalitionsvertrag der Unionsparteien und der SPD von 2025 kaum Berücksichtigung gefunden.
Der Band zeigt konkret auf, dass wissenschaftliche Expertise vorhanden ist, ihre Resonanz in Öffentlichkeit und Praxis jedoch oft begrenzt bleibt, etwa weil geeignete Kommunikationswege, Ansprechpartner*innen oder Foren und Formate fehlen. Die Autor*innen des Bandes geben daher konkrete Impulse dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zu religiöser Vielfalt, aber auch Anregungen aus der Praxis verständlich, differenziert und öffentlich wirksam vermittelt werden können. Und so richten sich die Beiträge eben nicht nur an ein wissenschaftliches Fachpublikum, sondern ausdrücklich auch an Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Medien, Bildungs- und Präventionsarbeit, kulturellen Institutionen und Religionsgemeinschaften. Damit versteht sich der Sammelband zugleich als Beitrag zu einer gesellschaftlichen Debatte, die für pluralistische Demokratien zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Publikation knüpft an den Band des Vorgängerprojekts „Vielfalt der Religionen. Ein Praxishandbuch zur Regulierung von religiöser Pluralität in Nordrhein-Westfalen“ an, der aus dem Vorgängerprojekt RePliR hervorgegangen war. Wie bereits der Vorgänger wurde auch der neue Sammelband in das Angebot der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen aufgenommen, wo er kostengünstig zu beziehen ist.
Bibliographische Angaben
Holger Arning (Hg.): Über religiöse Vielfalt sprechen. Wie der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit gelingen kann. Frankfurt am Main: Wochenschau-Verlag, 2026.
Liste der Autor*innen: Aria Anwar, Holger Arning, Beyhan Bozkurt, Nicola Brauch, Rebecca Laura Anne Davis, Johannes Eberl, Nelli Felker, Christina Freund, Martin Herholz, Anna Kira Hippert, Klaus-Peter Hufer, Volkhard Krech, Ralf Lange-Sonntag, Puyan Mahmudian, Christina-Maria Purkert, Mareike Ritter, Detlef Schneider-Stengel, Johannes Schwill, Piotr Suder, Ulrich Willems, Tagrid Yousef
Weitere Informationen zur Publikation:
- Wochenschau-Verlag: https://www.wochenschau-verlag.de/UEber-religioese-Vielfalt-sprechen/41750-Print-61750-PDF
- Landeszentrale für politische Bildung NRW: https://www.politische-bildung.nrw/buchbestellung/publikationsverzeichnis/print/ueber-religioese-vielfalt-sprechen
- Informationen zum Forschungsprojekt RePliV: https://ceres.rub.de/de/forschung/projekte/repliv