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(© Hintergrundbild: Ulysses@Adobe Stock)
NEUERSCHEINUNG

Neuer Sammelband „Künstliche Religion. Medien – Praktiken – Materialitäten“ erschienen

Mit dem Erscheinen des ersten Bandes der Reihe „Künstliche Religion“ liegt ein bedeutsamer Beitrag zur religionswissenschaftlichen Forschung vor, der sich den materiellen und medialen Dimensionen religiöser Praktiken widmet. Der von Anna Neumaier (CERES), Martin Radermacher (CERES) und Katharina Wilkens (Universität Tübingen) herausgegebene Band versammelt eine Reihe empirisch fundierter Studien, die in unterschiedlicher historischer, regionaler und thematischer Breite zentrale Facetten medial geprägter Religiosität erforschen.

Im Zentrum stehen Fragestellungen danach, wie religiöse Erfahrungen, Identitäten und Mythen durch Medien und materielle Arrangements hervorgebracht, stabilisiert oder transformiert werden. Der Sammelband spannt dabei einen Bogen von gegenwärtigen technologischen Phänomenen bis hin zu historischen Praxisformen.

Einige Beiträge fokussieren auf hochaktuelle Entwicklungen: So untersucht Peter J. Bräunlein medientechnologische Voraussetzungen und Bedeutungsräume von Jenseitskontakte und Kommunikation mit Verstorbenen, während Beth Singler die Konturen neuartiger Gottesvorstellungen in der Post-KI-Religiosität diskutiert und etwa „LLM-Theisms“ als Ausdruck emergierender Deutungsmuster analysiert.

Weitere Studien widmen sich zeitgenössischen Praxisfeldern und Medialitäten: Jakob Eißner entfaltet eine soziologische Perspektive auf Mentalzauberkunst als performative Inszenierung religiösen Erlebens im 21. Jahrhundert, Anne Koch erörtert die körperliche Medialität in Heilritualen und ihre situative Passung als Wirkfaktor, und Aizhana Khasanova (CERES) legt eine empirische Analyse zur digitalen Sichtbarkeit religiöser Minderheiten vor.

Im historischen Teil des Bandes beleuchtet Clara Ragnitz musikoreligiöse Praktiken im St. Joachimsthal des 16. Jahrhunderts und fragt nach Musik als Medium und materieller Praxis in der Reformationszeit. Yasmin Koppen nähert sich multilokalen Tempeln Chinas mit einer erfahrungsbasierten Architekturanalyse, und Katharina Wilkens rekonstruiert aus einer dekolonialen Perspektive Praktiken der Ahnenkommunikation und Opferrituale in afrikanischen Kontexten und der Diaspora.

Der Band eröffnet einen diskursiven Raum für das Zusammendenken von Medien, Praktiken und Materialitäten religiöser Phänomene und trägt damit zur Erweiterung methodischer und theoretischer Zugänge innerhalb der Religionswissenschaft bei.

Hier geht es zum Titel auf der Verlagsseite: https://shop.kohlhammer.de/kunstliche-religion-45748.html#147=9