Lichtmetaphern im Buddhismus: RUBIN berichtet über Forschung im SFB 1475
Der Artikel rückt ihre Forschung zu Lichtmetaphern im Buddhismus in den Mittelpunkt und bietet damit einen anschaulichen Einblick in die Grundfragen des Sonderforschungsbereichs: Wie formen Metaphern religiöse Sinnbildungsprozesse – und was verrät ihre Analyse über das Verständnis des Transzendenten?
Ausgangspunkt des Beitrags sind die Mogao-Höhlen bei Dunhuang in der chinesischen Provinz Gansu. In diesen jahrhundertealten buddhistischen Kultstätten spielten Lichtquellen wie Kerzen und Laternen nicht nur eine praktische, sondern auch eine symbolische Rolle. Für Meinert sind solche Befunde ein Schlüssel, um die metaphorische Aufladung von Licht im Buddhismus zu erschließen. Licht erscheint dabei nicht nur als körperlich erfahrbare Erscheinung, sondern auch als Ausdruck spiritueller Erkenntnis, Klarheit oder letztlicher Befreiung – eine Form der Semantisierung, die typisch für religiöse Kommunikation ist.
Im Rahmen des SFB 1475 untersucht Meinert insbesondere die Lichtmetaphorik des tibetischen Buddhismus und der Dzogchen-Lehren. Dort finden sich besonders eindrucksvolle Bilder wie der sogenannte Regenbogenkörper, der beschreibt, wie sich ein Körper im Moment des Todes in Licht auflösen könne. Solche Darstellungen bewegen sich an der Grenze des Sagbaren und zeigen exemplarisch, wie religiöse Traditionen auf Metaphern angewiesen sind, um das Transzendente zu fassen. Licht verbindet sich in diesen Texten mit Konzepten wie Weite, Klarheit oder Wärme und bildet komplexe metaphorische Netzwerke aus.
Die Forschung ist eingebettet in die übergeordneten Ziele des SFB, der religiöse Metaphern systematisch erfasst und in einen Thesaurus religiöser Metaphorik einordnet. Dadurch lassen sich interreligiöse Vergleiche ziehen – etwa zwischen Lichtvorstellungen im Buddhismus, im Zoroastrismus oder im Christentum – und Gemeinsamkeiten sowie kulturell spezifische Ausprägungen herausarbeiten. Meinerts Arbeit schlägt eine Brücke zwischen materiellen Quellen wie den Höhlenmalereien, textlichen Traditionen und ritueller Praxis und zeigt auf, wie Licht in unterschiedlichsten Kontexten zur Metapher des Spirituellen wird.
Mit der Veröffentlichung im RUBIN-Magazin werden diese Forschungen nun einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Der Artikel macht sichtbar, wie Metaphern als grundlegende Denk- und Kommunikationsform in Religion wirken – und wie sie helfen, das Unsagbare in Sprache, Bilder und Rituale zu fassen.
Der Artikel kann vorab unter folgendem Link gelesen werden: https://news.rub.de/wissenschaft/2025-11-05-religionswissenschaft-aufgeloest-licht