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KHK-Fellow-Interview: "Inspirierende Fächerbandbreite"

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Ende März 2020 endet die zweite Förderphase des Käte Hamburger Kollegs "Dynamiken in der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa". Als größtes Forschungsvorhaben mit internationaler Reichweite hat es das Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) in den letzten zehn Jahren enorm geprägt. Zeit also, um in den nächsten Monaten etwas zurück und etwas nach vorne zu blicken und Gastwissenschaftler/innen des KHK zu Wort kommen zu lassen. Im vierten Interview der Reihe kommt der renommierte niederländische Religionswissenschaftler und Althistoriker Jan Bremmer zu Wort. Er hat an vielen Institutionen für Advanced Studies geforscht und vergleicht seine dortigen Erfahrungen mit seinem Aufenthalt am Bochumer KHK.

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Wie sind Sie das erste Mal mit dem Käte Hamburger Kolleg in Kontakt gekommen? War das erst bei Ihrer Bewerbung?

Ich habe das erste Mal von dem Bochumer KHK und dem Foschungsstipendium von meinen Kollegen Andreas Bendlin und Mareille Haase erfahren. Sie arrangierten für mich einen Gastvortrag am KHK, wo ich dann wieder Volkhard Krech traf, mit dem ich bereits im Jahr 2000 Kontakt gehabt habe! Und dann sah ich Volkhard 2015 bei der Tagung der International Association for the History of Religion (IAHR) in Erfurt wieder und von dort ging alles seinen Gang. Ich hatte mitbekommen, dass der KHK eine sehr inspirierende Umgebung ist und somit ein guter Ort schien, um zu arbeiten und neue Kollegen zu treffen.

Wie war Ihr Forschungsaufenthalt in Bochum? Und worum ging es in Ihrem Forschungsprojekt?

Meine Frau und ich haben es genossen, in Bochum zu leben. Zunächst schien es für uns nur eine neu errichtete Stadt zu sein, aber im Laufe des Jahres haben wir viele schöne Orte entdeckt. Ich habe mich sehr über die verschiedenen Workshops und Kontakte gefreut, aber aufgrund meiner vielen Verpflichtungen habe ich vor allem eine Reihe von Dingen abgearbeitet. Wichtig war für mich die Fertigstellung des ersten Bandes meiner gesammelten Essays. Ich hatte somit etwas weniger Zeit für mein geplantes Projekt über Immanenz und Transzendenz in der Antike - aber die Wichtigkeit dieser Unterscheidung löste bei mir ein verstärktes Nachdenken über dieses Thema aus.

Inwiefern tragen Ihre Forschungsthemen zu einem besseren Verständnis von religiösen Dynamiken und Religionskontakten bei?

Bei der Erforschung der antiken Religion wurden die Götterwelt lange vernachlässigt. Mein Fokus auf die Probleme, die mit der göttlichen Transzendenz und Immanenz verbunden sind - und in dieser Hinsicht den großen Unterschied zwischen heidnischer und christlicher Religion markieren -, hilft die Dynamik der religiösen Entwicklungen in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu erkennen.

Was charakterisiert das KHK im Vergleich zu anderen Forschungsinstitutionen?

Der große Unterschied zu anderen exzellenten Forschungsinstituten, wie dem Max-Weber-Kolleg in Erfurt, ist die Bandbreite der Fächer und Themen, vom alten China bis in die Gegenwart, die bei den inspirierenden Monday Meetings teilnahmen. Ich interessierte mich dabei besonders für den Fokus auf Medien und zeitgenössische Religion.

Hatte der Aufenthalt am KHK Bochum Einfluss auf Ihre Forschung hatte der? Und wenn ja, welchen?

Ich rechne dem KHK hoch an, dass es mir geholfen hat, über das Problem der Transzendenz und Immanenz fokusiert nachzudenken und mich besser mit den faszinierenden Welten des alten Chinas und Israels vertraut gemacht zu machen.

Zuletzt ein Blick in die Zukunft: Das KHK Bochum mag zeitlich begrenzt sein, aber wie sollte Religionswissenschaft z. B. in etwa zehn Jahren mit Religionsgeschichte umgehen?

Schwer zu sagen, aber ich stimme mit Ulf Plessentin überein, wenn er vorschlägt über Religionen in allen Regionen, Traditionen, ethnischen Gruppen, historischen Epochen usw., nachzudenken, um zu sehen, wie der Kontakt die jeweiligen religiösen Traditionen hervorhebt und zu Veränderungen zwingt. Religionen müssen dynamisch sein. Gleichzeitig denke ich, dass den materiellen und emotionalen Aspekten der Religion wachsende Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, da sich diese in unserer Zeit als immer wichtiger erweisen.

Interview von U. Plessentin, Übersetzung: Diana Marques Correia & U. Plessentin