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Die Sogder und der Buddhismus - Japanischer Experte stellt seine Forschung vor

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Einer der wenigen weltweiten Experten für sogdischen Buddhismus, der japanische Iranist Yutaka Yoshida, besucht seit gestern das Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES). Als Gast des ERC-finanzierten Forschungsprojektes BuddhistRoad präsentierte Yoshida, der Professor an der Kyotoer Universität ist, seine Forschungsergebnisse in einem Gastvortrag. Die Sogder waren eine antike Kultur in Zentralasien, die in etwa dort siedelten, wo sich heute die Länder Tadschikistan und Usbekistan befinden. Das heute ausgestorbene Sogdische war eine ostiranische Sprache und lange Zeit die Verkehrssprache der Seidenstraßensystems. Die zahlreichen Schriftzeugnisse dieser Kultur zeigen den lebhaften Austausch in Handel, aber auch von kulturellen Praktiken und religiösen Ideen. Die Sogder waren Anhänger verschiedener Religionen.

Nach einem kurzen Überblick über den sogdischen Buddhismus zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert und verwies Yoshida darauf, dass die Sogder, die Händler des vormodernen Zentralasiens par excellance, den Buddhismus erst annahmen, nachdem sie in einer buddhistisch geprägten Region gesiedelt hatten. Sowohl zahlreiche Texte, von denen einige in der zentralasiatischen Oase Dunhuang gefunden wurden, als auch archäologische Funde, die heute auf dem Territorium Kirgistans liegen, weisen auf die Verbreitung des tantrischen Buddhismus unter den Sogder hin. Besonders überraschend ist in diesem Kontext der Fund eines sogdisch-christlichen Textes, in dem die buddhistische Gottheit Mahākāla als Übersetzung für Apollo verwendet wurde. Diese spezielle Übersetzung wurde in der Region im heutigen Kirgistan angefertigt, in der der tantrische Buddhismus, der lokale sogdische Zoroastrismus und das sogenannte nestorianische Christentum (Kirche der Osten) nebeneinander existierten. Die gegenseitige Beeinflussung von religiösen Ideen wird an dieser einzigartigen Quelle besonders deutlich.

Der bisherige bekannte Forschungstand zeigt, dass der tantrische Buddhismus in Zentralasien zwischen 8. und 9. Jh. sich völkerübergreifend einer großen Popularität erfreute. Die bisher gefundenen Spuren des tantrischen Buddhismus bei den Sogdern können so auch im Hinblick auf andere zentralasiatischen Zivilsationen kontextualisiert werden.

Es ist geplant, den Beitrag von Prof. Yoshida zeitnah in der Working Papers Series auf der Webseite des BuddhistRoad-Projektes zu veröffentlichen.