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(© Hintergrundbild: Alex from the Rock@Adobe Stock)
CHRISTFLUENCER

Ariane Kovac ist als Expertin für das FUNK-Format „Die Da Oben!“ interviewt worden

Was passiert, wenn religiöser Glaube auf Social Media trifft? Dieser Frage geht die Reportage „ So radikal sind Christfluencer“ aus dem erfolgreichen politischen Web-Format DIE DA OBEN! von FUNK nach. Das am 6. Januar 2026 veröffentlichte Video wurde bereits fast 120.000 Mal aufgerufen – ein deutliches Zeichen für das öffentliche Interesse an religiösen Phänomenen im digitalen Raum. Für die wissenschaftliche Einordnung wurde Ariane Kovac, wissenschaftliche Mitarbeiterin am CERES, interviewt.

Im Zentrum der Reportage des deutschen Online-Content-Netzwerks der ARD und des ZDF stehen sogenannte „Christfluencer“ – also Influencer*innen, die religiöse Inhalte, insbesondere mit christlich-konservativen Einschlag, auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube verbreiten. Sie positionieren sich meist außerhalb klassischer kirchlicher Strukturen: Es handelt sich in der Regel nicht um ordinierte Amtsträger*innen, sondern um Lai*innen, die auf Social Media über ihren Glauben sprechen – oft mit enormer Reichweite. Im deutschsprachigen Raum haben einige Accounts auch bereits sechsstellige Follower-Zahlen erreicht.
Manche dieser christlichen Influencer*innen vermitteln ein Gottesbild, das tief in evangelikal geprägten Glaubensvorstellungen verwurzelt ist: Gott lenkt das Leben jedes Einzelnen – bis hin zur Partnerwahl. Auffällig ist laut Kovac, dass besonders große deutsche Accounts häufig aus dem Umfeld konservativer Freikirchen stammen. Diese Gruppen finanzieren sich über Spenden und betonen eine persönliche, emotional aufgeladene Beziehung zu Jesus Christus.

Politische Dimensionen eines digital ausgelebten Glaubens

Kovac weist im Interview auf eine zunehmende politische Aufladung dieser Inhalte hin: Christfluencer*innen verknüpfen religiöse Aussagen mit gesellschaftlichen Normvorstellungen und politischen Positionen – oft orientiert an US-amerikanischen Vorbildern. Dort ist die Christliche Rechte, das sind ultrakonservative, evangelikale Christen, ein bedeutender Wählerblock, den insbesondere republikanische Politiker*innen gezielt ansprechen.

Auch in Deutschland lassen sich laut Kovac Anknüpfungspunkte beobachten. So greift etwa die AfD ähnliche Narrative auf und bemüht eine anti-gender-, anti-woke- oder anti-diversitätsbezogener Rhetorik. Christfluencer*innen tragen mit ihren normativen Aussagen dazu bei, den Diskursraum zu verengen. Die emotionale Ansprache auf Social Media erleichtert dabei die Verbreitung vereinfachter, aber wirkungsmächtiger religiöser Botschaften mit teils auch gesellschaftlicher und politischer Tragweite.

Wissenschaftliche Expertise zu Religion und Digitalität

Ariane Kovac forscht am CERES zur Verschränkung von Religion, Digitalität und Konfessionalität. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt REDiCON  (Religion – Digitality – Confessionality) das unter anderem untersucht, wie digitale Medien religiöse Kommunikations- und Selbstverständnisformen verändern. In ihrer Promotion mit dem Titel “Taking Christianity to Therapy,” befasst sich Kovac damit, wie moderate Christ*innen in den USA auf den zunehmenden Rechtsruck des Christentums dort reagieren.

Hier geht es zur Funk-Reportage mit Ariane Kovac als Expertin: https://www.youtube.com/watch?v=UhuPWUPr-MI