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„Zur Semantik kirchlicher Medien“

Kirchliche Zeitschriften

Das Teilprojekt: "Zur Semantik kirchlicher Medien" untersucht semantische und diskursive Konstruktionen der christlichen Kirchen in der BRD von 1945-1990. Was sich als Kirche darstellt, soll aus den über die Kirchen produzierten Texten und Aussagen selbst gewonnen werden. Der Bereich der kirchlichen Öffentlichkeit lässt sich hier besonders gut sprachlich untersuchen, da ein breiter Sample an Zeitschriften gebildet werden kann, der sowohl liberale und konservative Strömungen, offizielle Verlautbahrungen als auch interne theologische Diskussionen abdecken kann.

Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die Säkularisierungsthesen (die zumeist Wissenschaftskonzepte sind und den kirchlichen Wandel von Außen zu beschreiben versuchen), als Konzepte innerkirchlicher Selbstbeschreibungen gerichtet werden.

Gezeigt werden soll, wie weit die Kirchen voranschritten, sich jenseits ihres institutionellen Korsetts zu Agenturen für kirchliches Handeln und zum temporären religiösen Ereignis zu verflüssigen und sich dabei als Teil der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und deren Diskurse zu begreifen.

Die Untersuchungen religiöser Semantiken steht noch in den Anfängen, so dass auf nur auf wenige Vorarbeiten innerhalb dieses Feldes zurückgegriffen werden kann. Allgemein bemüht sich die theologische und kirchengeschichtliche Forschung zwar in den letzten Jahrzehnten verstärkt, die Geschichte der Ausdrücke, die den von ihr untersuchten systematischen Begriffen zugrunde liegen, mit in die Darstellung einzubeziehen. Doch solche Erkundungen werden, wie etwa ein Blick in die Register der Zeitschrift "Archiv für Begriffsgeschichte" zeigt, in der Regel weder im Sinne einer systematischen Begriffsgeschichte entwickelt, noch in die Sprachpragmatik ihrer historischen Verwendungszusammenhänge hinein verfolgt. So gibt es zwar erste Bausteine zur Erkundung einzelner religiöser Begriffe, doch eine Forschungstradition hat sich auf diesem Feld noch nicht entwickelt.

Weitaus besser ist der Forschungsstand auf dem Feld der allgemeinen Begriffs- und Diskursgeschichte. Die Forschung konnte hier in Deutschland nach älteren Vorläufern seit den 1960er Jahren mit den großen Lexika von Brunner, Conze und Koselleck, Reichardt, Lüsebrink u.a, Ritter und Scholtz begriffsgeschichtliche Standardwerke vorlegen, die sich international behauptet haben. In den letzten Jahrzehnten ist die Begriffsgeschichte in Deutschland methodisch und theoretisch vor allem in sprachpragmatischer Hinsicht weiter entwickelt worden, sodass sie heute als ausgereiftes Instrument historischer Forschung gelten kann.