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Sakralität im Wandel: Religiöse Bauten im Stadtraum des 21. Jahrhunderts in Deutschland

Dieses Projekt dokumentiert, analysiert und interpretiert religionsvergleichend den Wandel in der architektonischen Gestaltung und der städtebaulichen Positionierung zeitgenössischer sakraler Architekturen in Deutschland seit 1990. Entscheidend ist dabei die Vernetzung von religionswissenschaftlichen und architekturhistorischen Kompetenzen. Ziel ist es zu untersuchen, wie sich vor dem Hintergrund zunehmender religiöser Pluralität christliche, jüdische und muslimische Sakralarchitektur im Stadtraum positioniert, wie sie mit ihren architektonischen Formen Bedeutung vermittelt und wie sie sozial effektiv wird.

Dabei werden die drei großen monotheistischen Traditionen fokussiert, weil sie in Bezug auf ihre Sakralbauten zum einen eine ‚kritische Masse‘ überschreiten und zum anderen in ihrer jeweiligen Besonderheit miteinander kontrastieren: Kirchen sind von Abriss und Umnutzung bedroht und werden dennoch neu gebaut, Moscheen sind von starker Zunahme und einem ‚Auszug aus den Hinterhöfen‘ geprägt, entstehen aber häufig in peripherer Lage, Synagogen erfahren eine besondere Außenwahrnehmung und sind von experimenteller Architektur oftmals in Stadtzentren gekennzeichnet. Das primäre Erkenntnisziel des Projekts ist, die öffentliche Präsenz von Sakralbauten im Stadtgefüge besser zu verstehen. 

Im Rahmen der übergeordneten Fragestellung, wie Architektur einerseits Ausdruck gesellschaftlicher Ordnungen und andererseits zugleich sozial effektiv ist, eignet sich Sakralarchitektur in besonderem Maße als Untersuchungsgegenstand. Gotteshäuser oder religiöse Versammlungsorte sind für viele religiöse Traditionen unabdingbar für religiöse Handlungen, das Leben in der Gemeinschaft oder als Ermöglichung der Anwesenheit Gottes im Raum. Um analytisch nicht am einzelnen Objekt zu verharren sollen städtebauliche Untersuchungen hinzugezogen werden, um empirisch zu prüfen, wie sich Sakralbauten im Stadtbild und in Relation zu anderen Bauten positionieren und auf welche Weise sie sichtbar in Erscheinung treten. Die architektonische Form und die stadträumliche Position von Bauwerken übernehmen spezifische Ordnungsfunktionen im öffentlichen Raum. Je stärker aber Bauwerke durch symbolische Indifferenz oder experimentelle Bauweise Orientierungs- und Deutungsanstrengungen provozieren, desto eher wird die Orientierung und Strukturierung von Räumen erschwert.

Sakrale Neubauten weisen nicht nur zunehmend symbolische Indifferenz untereinander auf, sie treten auch oft in Konkurrenz zu Profanbauten, was ebenfalls direkte Auswirkungen auf ihre Sichtbarkeit im Stadtraum hat. Während Profanbauten sakrale Architekturelemente aufnehmen (z. B. Museen, Kinos, Theater), verzichten Sakralbauten oft bewusst auf konventionelle, sakral konnotierte Formensprache. Die Auswahl der Fallbeispiele entspricht dem architekturgeschichtlichen Stand der Forschung, sie wird aber abgeglichen mit den Ergebnissen der quantitativen Erhebung, um eine hohe Korrelation zwischen Fallstudien und Empirie sicherzustellen. 

Förderzeitraum

09.2018 - 08.2021

 

Gefördert von

 

Beteiligte Personen