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Fremdheit und Religion der Seeleute

Xenosophie in der Schweiz und Religion/en auf See als empirische Ressourcen für die Transzendenz-Immanenz-Unterscheidungsdebatte

Die beiden Projekte – eines zur Fremdheit in interreligiösen Begegnungen und das andere zur Religion in maritimen Kulturen – repräsentieren die Enden eines Kontinuums, auf dem sich die Unterscheidung zwischen Transzendenz und Immanenz bewegt. In Bezug auf die interreligiöse Begegnung zwischen Christentum, Judentum und Islam kann Transzedenz mit Fremdheit, die von aussen kommt, assoziiert werden. Im Gegensatz dazu könnte die Religion der Seeleute konstruiert werden, indem die Unterscheidung zwischen Transzendenz und Immanenz innerhalb der der Maritimen Kultur gesucht wird.

Das Xenosophie-Projekt bearbeitet die Begegnung mit den sogenannten Abrahamitischen Religionen aus sozialpsychologischer Perspektive. Dabei bezieht es Variablen des religiösen und nicht-religiösen Feldes der psychologischen und soziologischen Ebene ein mit interreligiöse Vorurteilen und Xenosophie als abhängigen Variablen. Es bezieht sich auf das Erleben von Fremdheit und philosophischen Konzepten, wie sie Bernhard Waldenfels oder Yoshiro Nakamura eingeführt haben. Dieser Ansatz zur Fremdheit fordert die klassischen Ansätze der Selbstevolution von Transzendenz im Sinne von „Externalisierungsprozessen“ heraus, weil Xenosophie vielmehr einen Internalisierungsprozess in der Begegnung mit dem Fremden erfordert.

Im Projekt Religion\en der Seeleute soll Religion spezifisch für maritime Kulturen weltweit konstruiert werden. Eine solche Religion bildet einen Hybrid aus einerseits Landkulturen in verschiedenen Zeiten und Regionen sowie andererseits unterschiedlichen religiösen Bewältigungsstrategien auf See. Obgleich es bereits Einzelstudien über Seefahrerkulturen von Historikern und Ethnologen gibt, gibt es noch keine systematische Studie zu Religion\en der maritimen Kultur\en. Dies würde es auch ermöglichen, die kulturellen Einflüsse verschiedener geographischer Regionen auf Religion\en auf einer gemeinsamen Grundlage zu vergleichen, zumal die Lebensbedingungen auf Schiffen (Einsamkeit, begrenzter Raum und Arbeit in einem hierarchischen System, Lebensbedrohung in Stürmen oder Flauten, wie auch Langeweile und Monotonie bei gutem Wind) weltweit vergleichbar sind. Darüber hinaus hinterfragt dieser Ansatz den Anspruch der Transzendenz-Immanenz-Unterscheidung, das tertium comparationis für die Religionswissenschaft zu sein. Denn hier liefert die maritime Kultur eine Vergleichsgrundlage, die fassbarer ist und weniger von einer Religionsdefinition abhängig scheint. Allerdings muss noch geklärt werden, welche Aspekte der maritimen Kultur als Bausteine für eine Religion der Seeleute interpretiert werden können: Wie kann die Unterscheidung zwischen Transzendenz und Immanenz innerhalb dieser Kultur dazu beitragen, hier Religion zu kennzeichnen?