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Dynamiken des religiösen Feldes im Kontext des frühen Buddhismus

Das Augenmerk liegt auf der Promotion des religiösen Angebots durch frühe Buddhisten in einem umkämpften religiösen Feld. Modern ausgedrückt, es geht um die Produktplatzierung auf einem Markt, der durch die Kommunikation einer grossen Zahl von Anbietern und Kunden bestimmt wird und daher einer permanenten Dynamik unterworfen ist. Die erhaltenen Zeugnisse dieser Diskurse sind vornehmlich textlicher und visueller Natur. Dieses Material soll systematisch nach erkennbaren Reibeflächen zwischen Buddhisten und konkurrierenden religiösen Anbietern durchsucht werden. In der Analyse werden bestimmte Leitfragen angewendet. Eine provisorische Aufstellung: Wie wird symbolisches Kapital eingesetzt, um die Wahrheit/Macht des Buddha-Dharma überzeugend zu repräsentieren? Welche Medien (z.B. visuelle Repräsentationen, philosophische Debatten, Narrationen, rituelle Machtinszenierungen), symbolischen Ressourcen und Strategien werden dabei eingesetzt? Welche emotionalen und kognitiven Kontexte werden dabei evoziert, transformiert und evtl. neu geschaffen? Welche Metaphern werden herangezogen und was sagen diese über die Akteure und das anvisierte Zielpublikum aus? Welche Institutionen und sozialen Positionen repräsentieren die buddhistische Religion, wie werden diese legitimiert und welchen Einfluss üben sie aus? Mit welchen Strategien versucht man sich von konkurrierenden Angeboten abzuheben? (z.B. Umdeutung, Rationalisierung, Ethisierung, Profanisierung, Inklusion; Polemik, Absprechen von Legitimität) Welche sozio-kulturellen Reformen werden dabei entworfen/angestrebt? Wie werden diese gegenüber nicht-buddhistischen Modellen positioniert? Treten etwa Rhetoriken der Überwindung, Hierarchisierung "Zivilisierung/ Aufklärung" [?], Renaissance, auf? Wie wird die überlegene "Wirkmächtigkeit" des eigenen Ritual-Angebots begründet und in Szene gesetzt? Wird diese mit der Überlegenheit der buddhistischen Weltanschauung/Metaphysik gekoppelt?

Eine Analyse anhand derartiger Leitfragen soll eine empirische Erschliessung der religiösen Wissenskonzepte dieser Zeit und ihrer Verschränkungen im religiösen Feld gewährleisten. Ziel des Projektes ist letztendlich ein Beitrag zur Erforschung übergreifender Paradigmenwechsel im Hinblick auf kollektive religiöse Erwartungen, Plausibilitätsstrukturen, Funktionen und Bedürfnisse im Übergang von der vedischen zur nach-vedischen Religionsgeschichte Indiens. Im Sinne des 1. Schwerpunkts des Kollegs ist zu überprüfen, welche Relevanz die "Entdeckung der Transzendenz" für die für die Entwicklung dieses Marktes hat. Dies ist nicht nur an philosophischen Elitediskursen ablesbar, aus denen zwar viele Texte hervorgegangen sind, deren Einfluss auf das gesamte Feld jedoch vergleichsweise gering gewesen sein dürfte. Vielmehr wird die Analyse deutlich machen, dass an zahlreichen weiteren Reibeflächen Buddhisten weltanschaulich-metaphysische Innovationen auf spezifische Weise als symbolisches Kapital eingebracht haben, etwa um ihr eigenes Dienstleistungsangebot zu "promoten" oder den Status religiöser Funktionsträger zu legitimieren. Dazu gehören auch - und gerade - solche religiösen Bereiche, die von der älteren Forschung gerne dem Gebiet der "Volksreligiosität" zugerechnet wurden.

Beteiligte Personen