Teilprojekt C08
Metaphern für Gott in der aufkommenden Unheilsprophetie: Das Buch Amos als Meilenstein religiöser Sinnstiftung
Das Teilprojekt C08 untersucht Metaphern für Gott im Buch Amos, einem frühen und besonders einflussreichen Zeugnis der Unheilsprophetie in der Hebräischen Bibel. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie mit dem Aufkommen dieser neuen prophetischen Ausdrucksform im späten 8. Jahrhundert v. Chr. innovative Weisen entstanden, das Göttliche sprachlich zu fassen, und welche Rolle Metaphern dabei für die religiöse Bedeutungsbildung spielten.
Arbeitsteilig werden unterschiedliche Bereiche behandelt, insbesondere die prophetischen Visionsschilderungen und die hymnischen Passagen. Diese Texte nutzen ein breites Spektrum an Metaphern, um Gottes Gegenwart, Handeln und Beziehung zur Welt zu beschreiben. Durch ihre systematische Analyse untersucht das Projekt, wie das Amosbuch ein neues Verständnis göttlicher Wirksamkeit entwirft – in einer Zeit, in der Prophetie neben der von ihr erwarteten Stabilisierung bestehender politischer und religiöser Ordnungen auch Ankündigungen von Unheil und Zerstörung zum Ausdruck zu bringen beginnt.
Dank dieser Einbindung der Metaphernforschung in die alttestamentliche Exegese legt C08 die erste umfassende metaphorologische Untersuchung des Amosbuches vor. Dabei analysiert das Projekt sowohl die literarische Entwicklung als auch die rhetorischen Funktionen der Metaphern für Gott und erschließt neues Material für den Thesaurus religiöser Metaphern des SFB. Zugleich zeigt es, wie Metaphern dazu beitrugen, neue Vorstellungen des Göttlichen in Phasen tiefgreifenden religiösen und gesellschaftlichen Wandels auszudrücken.
Beteiligte Personen