Teilprojekt A06
Passionswege: Metaphorische Handlungen in religiösen Szenologien und Prozessen ihrer kulturellen Aneignung
Das Teilprojekt A06 untersucht, wie religiöse Metaphern in Prozessen künstlerischen und intellektuellen Austauschs zwischen Kulturen übertragen und neu gedeutet werden. Im Mittelpunkt stehen christliche Passionsspiele und die schiitische Ritualtheatertradition der Taʿziyeh. Das Projekt erforscht, wie Vorstellungen von Leiden, Opfer und dem Heiligen durch Bewegung, Raum und Aufführungspraxis vermittelt werden.
Eine zentrale Frage ist, wie das christliche Verständnis der Passion als „Leidensweg“, das sich etwa im Kreuzweg und in Passionsspielen ausdrückt, westliche Deutungen anderer religiöser Traditionen geprägt hat. Untersucht wird, wie Künstler*innen, Theaterschaffende und Intellektuelle seit den 1960er Jahren die Taʿziyeh rezipiert und dabei häufig durch räumliche und körperliche Metaphern interpretiert haben, die aus christlichen Traditionen hervorgegangen sind. Auf diese Weise werden Prozesse kultureller Übertragung, Neuinterpretation und Aneignung sichtbar.
Durch die Verbindung von Metaphernforschung und Performance Studies richtet A06 besonderes Augenmerk auf Körperpraktiken, räumliche Anordnungen und theatrale Szenologien als metaphorische Akte, in denen religiöse Bedeutung hervorgebracht und erfahrbar wird. Indem das Projekt Metaphern jenseits sprachlicher Ausdrucksformen untersucht, trägt es zu einem besseren Verständnis der Rolle von Aufführungen bei der Entstehung, Transformation und Aushandlung religiöser Bedeutung über kulturelle Grenzen hinweg bei.