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Arbeitswelt und Religion

Japanische Firmen galten lange als innovative Vorbilder für ihre westlichen Pendants: Hohe Produktivität, geringe Fehlzeiten und exzellente Qualität waren entscheidende Faktoren für den Wettbewerbsvorteil, aber auch die intensive Beschäftigung mit der japanischen Arbeitswelt. Je nach Fachrichtung wurden unterschiedliche Faktoren ausgemacht, die die Andersheit Japans begründeten.

So wurde in der Management-Literatur davon ausgegangen, dass japanische Arbeitnehmer/innen per se harmoniefreudiger, motivierter und konzentrierter seien als das in Europa und Nordamerika der Fall sei. In der Arbeits- und Organisationspsychologie entstand das neue Feld der interkulturellen Psychologie, um unterschiedliche Kulturstandards zu beschreiben und zu verstehen. Immer wieder wurde jedoch der Rückschluss auf eine besondere religiöse Prägung gezogen: Mal vermuteten Wissenschaftler/innen den Zen-Buddhismus als Quelle der unterschiedlichen Arbeitseinstellung, dann wieder den Konfuzianismus. Allen Untersuchungen ist dabei eigen, dass keine grundlegende religionswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Religion stattgefunden hat.

In diesem Forschungsprojekt geht es zunächst darum, die westlichen und japanischen Perspektiven auf diese (vermeintliche) Korrelation zu untersuchen: Welche Beziehungen werden wann von wem wie beschrieben? Aus dieser Quellenuntersuchung werden Hypothesen über die wissenschaftliche Einschätzung der Rolle von Religion gebildet und überprüft.

Ziel dieses Projektes ist es, eine Methodologie zu entwickeln, mit dem der Einfluss von Religion auf die Arbeitswelt untersucht und beschrieben werden kann. Durch deren Einsatz sollen neue Perspektiven auf die Relationalität des religiösen und des ökonomischen Feldes entwickelt werden. Dieser Ansatz sollte jedoch nicht ausschließlich Japan-spezifisch, sondern vielmehr universell anwendbar sein und vergleichende Werte liefern können. Außerdem sollen die so gewonnenen Erkenntnisse in die Ausbildung, bspw. im Ingenieurstudium einfließen und die bisherigen Ansätze zur „Interkulturellen Kommunikation“ um einen religionsfokussierenden Aspekt ergänzen.

Publikation

Diese erste Projektphase wurde in 2012 durch die Erstellung einer umfassenden Datenbank zum Literaturstand und die Publikation einer gemeinsamen Monographie abgeschlossen:

  • Bretfeld, Sven, Markus Hero, Robert Kötter, Eckehard Müller, and Claudia Romberg. Religion und Arbeitswelt: Eine einführende Studie am Beispiel Japans. SQ-Forum: Schlüsselqualifikationen in Lehre, Forschung und Praxis. Bochum: Hochschule Bochum,  2012.

Beteiligte Personen