BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
PRODID:-//ceres.rub.de//events//
CALSCALE:GREGORIAN
METHOD:PUBLISH
X-WR-TIMEZONE:UTC
BEGIN:VEVENT
SUMMARY:interpretatio punica – interpretatio graeca – interpretatio ro
 mana
DTSTART;VALUE=DATE:20101110
DTEND;VALUE=DATE:20101113
DTSTAMP:20260504T201243Z
UID:interpretatio-25@ceres.rub.de
CATEGORIES:
DESCRIPTION:Die Tagung stand in direktem Zusammenhang mit dem Forschungspr
 ojekt von L.-M. Günther im Rahmen des Themenfeldes I („Veränderungen i
 m westphönizischen ‚Pantheon’ unter dem Einfluss der Kulturkontakte m
 it Griechen und Etruskern  sowie der Vorherrschaft Karthagos <im 6.-4.Jh.
 >)“ und war bereits im entsprechenden Antrag 2007 vorgesehen.\nDie gewü
 nschten internationalen Beiträge ließen sich zum verfügbaren Termin (No
 vember 2010) leider nicht realisieren\, da die angefragten Spezialisten in
  Italien (S. Ribichini)\, Frankreich (C. Bonnet)\, Spanien () und Israel (
 I.Malkin) nicht verfügbar waren und mit großem Bedauern ein Kommen abgel
 ehnen mussten\; P. Bartoloni (Sassari) musste kurzfristig seine Teilnahme 
 absagen.\nDennoch ist es – nicht zuletzt auch mithilfe von Jun.-Prof. Dr
 . Bärbel Morstadt (Institut für Archäologische Wissenschaften der RUB) 
 – gelungen\, eine fachlich hochqualifizierte und interessante Tagungsgru
 ppe zusammenzustellen\, die entsprechend dem interdisziplinären Charakter
  der Thematik (vier) Althistoriker und (fünf) Archäologen umfasste.\nVom
  Mittwoch 10.11. 16 Uhr bis Freitag 12.11. 14 Uhr kamen vier Referentinnen
  (Grüner\, Günther\, Lee\, Morstadt) und fünf Referenten (Eingartner\, 
 Hülsken\, Lichtenberger\, Matthäus\, Zimmermann) zusammen\, von denen vi
 er aus dem Bundesgebiet anreisten (aus Augsburg\, Erlangen\, Heidelberg/M
 ünchen\, Münster). Von den neun Referenten sind jeweils drei ‚etablier
 te’ ältere Wissenschaftler (Eingartner\, Günther\, Matthäus)\, jünge
 re Hochschullehrer (Lichtenberger\, Morstadt\, Zimmermann) und Nachwuchswi
 ssenschaftler (Dr. des. Grüner\, cand. phil. Hülsken\, Lee B.A.). Erfreu
 licherweise konnte an der Tagung auch der frühere KHK-Fellow Dr. Paolo Fi
 ligheddu (Sassari/Tempio Pausania) teilnehmen und die Diskussionen mit sei
 nen stupenden philologisch-semitistischen Kenntnissen bereichern.\nFür Di
 skussionen standen nach jedem ca. 30-minütigem Vortrag 15 Minuten zur Ver
 fügung\, außerdem wurde die Tagung mit einer rund einstündigen Abschlus
 sdiskussion beendet.\nAn den Diskussionen beteiligte sich auch Personen au
 s dem Publikum\, die zumeist die Tagung durchgängig besucht haben\; einig
 e Kolleginnen und Kollegen konnten wegen ihrer parallelen Lehrverpflichtun
 gen nur teilweise beiwohnen\, u.a. der Mitveranstalter B. Linke.\nZwei Vor
 träge (Zimmermann am 10.11.\, Matthäus am 11.11.) fanden als deutlich l
 ängere ‚public lectures’ vor einem breiteren\, aber ebenfalls diskuss
 ionsfreudigen Publikum statt\, nämlich im Rahmen des zusammengelegten alt
 historischen Forschungskolloquium der beiden Veranstalter/Leiter bzw. im R
 ahmen des Forschungskolloquiums des Instituts für Archäologische Wissens
 chaften.\n \nIn ihrer kurzen Einführung thematisierte L.-M. Günther zun
 ächst das Spektrum der Auffassungen von ‚interpretationes’ in der For
 schung und verwies auf eine Tagung an der Universität Osnarbrück (7.-9. 
 September 2010)\, die sich der interpretatio romana bzw. indigena in den P
 rovinzen der römischen Kaiserzeit gewidmet hatte. Die dortigen Kollegen f
 assten den Begriff als „Mechanismus zur Über­windung kultureller Unter
 schiede in der Antike“ auf bzw. als „einen Prozess der Assoziation von
  indigenen (= nicht griechisch-römischen) Gottheiten mit solchen der grie
 chisch-römischen Kultur. Der dabei erhobene Vorwurf\, die bisherige Forsc
 hung habe sich vornehmlich darin erschöpft\, Listen der ‚indigenen’ u
 nd der entsprechenden griechisch-römischen Götternamen zusammenzustellen
 \, es aber versäumt\, die „tiefergreifenden Prozesse des Phänomens zu 
 thematisieren“\, kann so nicht akzeptiert werden: Die Archäologie\, Alt
 e Geschichte und Religionswissenschaft haben schon längst für den zeitli
 chen und geographischen Raum der altorientalisch/levantinischen und der gr
 iechischen Kulturkontakte erkannt\, dass es nicht um ein einfaches vokabel
 artiges Übersetzen religiöser Vorstellungen gegangen ist\, sondern um An
 verwandlungen\, modifizierende Übernahmen und Reinterpretationen! Im Verl
 auf unserer Tagung wurde dann mehrfach angesprochen und vertieft\, dass es
  evidenterweise einen wesentlichen Unterschied machte\, ob eine Hochkultur
  wie die römische auf indigene Kulte in den von Rom beherrschten und noch
  nicht hellenisierten bzw. erst rudimentär romanisierten ‚Provinzen’ 
 traf. Eine andere Facette von interpretatio ist dort zu beobachten wo\, wi
 e im Fall der Kultur- und Religionskontakte in der Levante vornehmlich in 
 der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends\, eine physisch und geistig mobile 
 Gesellschaft sehr bereitwillig den sakralen wie profanen Phänomenen der v
 orderasiatischen Kulturen begegnete und sie zu adaptieren suchte. Das frü
 here Bild von einer grundsätzlichen Überlegenheit der Hellenen über die
  ‚Orientalen’ ist inzwischen in der Geschichtswissenschaft und der Arc
 häologie überwunden\; auch ist weitgehend akzeptiert\, dass weder ‚die
  Hellenen’ noch ‚die Orientalen’ bzw. ‚die Phönizier’ etc. jewe
 ils geschlossene und homogene ‚Blöcke’ bildeten\, die zudem auch noch
  grundsätzlich konfrontativ gewesen wären.\nBereits im ersten Vortrag de
 r Tagung zeigte Achim Lichtenberger (Archäologische Wisschenschaften der 
 RUB: „Interpretationes graecae-romanae im Vorderen Orient“)  anhand s
 einer Forschungen zur syrischen Dekapolis am Beispiel zweier Städte\, das
 s die Übernahme hellenistisch-römischer Bildsprache auf Münzen selbst i
 n der Kaiserzeit noch siegelt\, dass man um die Unzulänglichkeit wusste\,
  eine einheimische Gottheit (wie Ba’al) mit nur einer griechisch-römisc
 hen Gottheit (Dionysos/ Herakles) zu identifizieren. In einem zweiten Schr
 itt wies er anhand seiner aktuellen Forschungen exemplarisch nach\, dass i
 m nordafrikanischen Leptis Magna die vormals punischen Gottheiten und ihre
  ‚Übersetzungen’ in griechisch-römische nicht zwingend vermeintlich 
 ‚kanonischen’ Vorgaben folgen mussten\, sondern sich nichtkompatibler 
 Funktionen der jeweiligen Götter bewusst waren\, etwa indem eine Apollons
 tatue für den zu ehrenden ‚dionysischen’ Antinoos verwendet wurde.\nD
 urch den geographischen Bogen von Syrien nach Libyen hatte Lichtenberger d
 en folgenden Ausführungen von Johannes Eingartner (Archäologisches Insti
 tut der Universität Augsburg: „Römische Heiligtümer im vormals punisc
 hen Nordafrika)“ schon den Boden bereitet\, denn es war bereits die Frag
 e gestellt worden\, inwieweit im Zuge einer interpretatio der Gottheiten e
 benfalls die jeweiligen Rituale anverwandelt worden sein könnten. Eingart
 ner\, der auf eine rege Ausgrabungstätigkeit gerade in Tunesien und Libye
 n zurückblickt\, stellte vor\, wie Auskünfte über Kultvorgänge anhand 
 vornehmlich zweier architektonischer ‚Modelle’ von Heiligtümern im r
 ömischen Nordafrika gewonnen werden können\, nämlich zum einen anhand d
 es Podiumstempel in einem symmetrisch gestalteten Bezirk und zum anderen a
 nhand des sog. temple à cour. Dabei hat die bisherige Forschung die evide
 nterweise aus Italien übernommenen Podiumstempel für ebenso genuin römi
 sch gehalten wie die in ihnen verehrten Gottheiten\, während man für die
  andere architektonische Grundform des Heiligtums eine punische Tradition 
 postuliert hatte. Diese ‚Gewissheiten’ stellte Eingartner anhand zahlr
 eicher Beispiele in Frage und machte auf Wasserbecken im Kontext von ‚Po
 diumstempeln’ aufmerksam\, die auf nichtitalische Rituale verweisen kön
 nten. Zugleich lässt sich für Tempel des Saturn/Baal Hammon\, die vermei
 ntlich eine Kulttradition beweisen\, nur selten eine tatsächliche sakrale
  Kontinuität nachweisen\, vielfach ist der ‚Kulturbruch’ unzweifelhaf
 t.\nDer Abendvortrag  von Nikolaus Zimmermann (Seminar für Alte Geschich
 te der Universität Münster: „Hannibals Religion“) widmete sich erstm
 als einem historischen Thema und damit auch einer andersartigen Quellenpro
 blematik. Dabei wurde betont\, dass auch religiöse ‚Übersetzungen’ u
 nd Vereinnahmungen politisch\, propagandistisch und sogar militärtaktisch
  instrumentalisiert wurden. Livius\, der das Feindbild der Römer von Hann
 ibal als einem frevelhaften Menschen überliefert\, gibt indessen an zahlr
 eichen Stellen erkennen\, dass der karthagische Feldherr genauso wie alle 
 anderen Zeitgenossen die Götter ehrte\, Eide einhielt und um die emotiona
 len religiösen Bedürfnisse auch seiner Truppen wusste. Zimmermann ließ 
 aber offen\, inwieweit jüngere Thesen über eine gleichsam ‚moderne’ 
 Aufgeklärtheit Hannibals und seine Distanzierung von den orthodoxen Prakt
 iken der karthagisch-punischen Götterverehrung\, insbesondere der Mensche
 nopfer für Baal Hammon\, methodisch hinreichend begründet sind.    
                                      
                                      
                        \nIm ersten Vortrag am folge
 nden Donnerstag (11.11.) beschäftigte sich Cathrin Grüner (Staatliche Mu
 seen München: „Die Göttin auf dem Berg Eryx\, Astarte - Aphrodite - Ve
 nus“) mit einem ‚Klassiker’ der Interpretations-Thematik\, dem berü
 hmten westsizilischen Heiligtum\, in dessen Ruinen inzwischen eine Kapelle
  der ‚Madonna della Neve’ die Kulttradition ins Christliche fortsetzt.
  Hier wurde schon zu Beginn des 1. Jahrtausends eine indigene Gottheit (de
 r Elymer bzw. Sikaner) verehrt\, bevor die Phönizier bzw. Karthager seit 
 dem ca. 6. Jh. an der gleichen Stelle ihrer Astarte huldigten\, sodann die
  in der Region ebenfalls als Ansässige bezeugten Griechen der Göttin Aph
 rodite. Mit der römischen Eroberung der vormals karthagischen Provinz auf
  der Insel wurde das Heiligtum\, nunmehr unter römischer Verwaltung\, als
  dasjenige der Venus\, der Stammmutter des Gründungsheros Aineas\, verehr
 t. Alle genannten Götternamen (Astarte\, Aphrodite\, Venus) sind durch Sc
 hriftzeugnisse bestens bezeugt\, nur die indigene Gottheit bleibt namenlos
 .\nAuf den Vortrag folgte ein Besuch in den Kunstsammlungen der Ruhr-Unive
 rsität\, die in ihren diversen Exponaten der antiken Kunst von der zustä
 ndigen Kustodin Frau Dr. Cornelia Weber-Lehmann den Teilnehmer der Tagung 
 mit einer äußerst präsenten und intensiven Führung vorgestellt wurden.
                                      
                       \nNach der Mittagspause fokuss
 ierten zwei Vorträge auf den wohl bekanntesten Fall einer interpretatio z
 wischen Levante bzw. Phönizien und der griechischen Welt: Melqart-Herakle
 s. Das Referat von Bärbel Morstadt (Archäologische Wissenschaften der RU
 B: „Melqart-Herakles-Kulte im phönikisierten Zypern“) stellte in eine
 r materialreichen Präsentation die Kultkontakte zwischen der Levanteküst
 e und der Insel Zypern in den Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich\, dass ent
 gegen der landläufigen Erwartung in Kition\, der wohl ältesten ‚Koloni
 e’ von Tyros\, ein Melqart-Kult zwar existent\, aber nicht dominant war.
  Die anderen Städte der Insel\, die stets eine ‚Drehscheibe’ des Güt
 er- und Ideenaustausches zwischen dem Vorderen Orient und der Ägäis gewe
 sen war\, kennen gleichfalls beide Gottheiten\, jedenfalls finden sich üb
 erall entsprechende bildliche Darstellungen\, zumal in der preziosen Klein
 kunst. Daniel Hülsken (Historisches Institut der RUB/ KHK): „Von Melqar
 t bis Hercules Gaditanus: Reinterpretation eines westphönikischen Kultes 
 in Südiberien“) führte an das westliche Ende des Mittelmeerbeckens\, g
 leichsam über die ‚Säulen des Herakles’ hinaus. Dabei ging es um zwe
 ierlei: erstens um den Schritt der Phönizier\, die eine anikonische Vereh
 rung des Melqart (und dafür eine solche in Gestalt von ‚Stelen’ = Bai
 tyloi) kannten\, hin zu einer anthropomorphen Darstellung in griechischer 
 Bildsprache\, also mit Löwenfell und Keule bzw. Bogen\; zweitens um die D
 iskussion einer Adaption phönizischer Gottheiten bei den Indigenen\, die 
 der Referent sehr deutlich in Frage stellte. Ähnlich wie schon die Götti
 n von Eryx machte auch der einstmals ‚punische’ Gott von Gades unter d
 er römischen Herrschaft über ‚sein’ Gebiet Karriere\, was Hülsken g
 leichfalls noch kursorisch thematisierte.               \nD
 er Abendvortrag von Hartmut Matthäus (Archäologisches Institut der Unive
 rsität Erlangen: „Mythische Paradigmata und Identitätsstiftung – Wir
 kungen des Orientalisierungsprozesses“)\, mit dem zugleich der neue Hör
 saal des Instituts für Archäologische Wissenschaften eingeweiht wurde\, 
 spannte einen imposanten weiten Bogen von den mesopotamisch-assyrischen Ar
 tefakten zu solchen der mediterranen archaischen Kultur der hellenischen S
 taatenwelt. Der als Spezialist für die phönizische und vorderasiatische 
 Archäologie renommierte Referent verfolgte am Beispiel der Darstellungen 
 dreier ‚Leitikonographien’ – nämlich der ‚nackten Göttin’\, de
 s Kampfes eines Heroen mit dem Löwen\, der Überwindung eines schlangenar
 tigen Ungeheuers mit einem Kopf oder mehreren Köpfen – die allmähliche
  Ausbreitung der Sujets samt deren zu beobachtenden ikonographischen Varia
 nten. Dabei wurde augenfällig\, dass nicht jedes einer interpretatio unte
 rworfene Motiv denselbe Verbreitungsweg nahm\, wenngleich die Levante und 
 Zypern stets herausragten\; auffälligerweise blieb zumeist die westkleina
 siatische Küstenzone außerhalb der entscheidenden Vermittlungszonen.  
               \nIn der letzten ‚Sektion’ der Konferenz a
 m Freitag (12.11.) gab es zwei althistorische Referate\, bei denen dezidie
 rter als zuvor die einstige Großmacht Karthago die entscheidende Rolle sp
 ielte\, wenngleich es nicht um politische Geschichte ging\, sondern vor al
 lem um Methodisches. Im ersten Vortrag des Morgens wandte sich Linda-Marie
  Günther (Historisches Institut der RUB: „Pferd und Quadriga auf sikulo
 punischen Münzen - griechische oder punische Symbolik?“) der Münzpräg
 ung als einem relevanten\, da zeitgenössischen Quellenmaterial zu und int
 erpretierte das in der sikulopunischen Ikonographie von den Griechen Sizil
 iens übernommene Motiv der siegreichen bzw. von Nike bekränzten Quadriga
  als Symbol für den Himmelsgott Ba’al respektive Zeus Olympios. Dies st
 ellt einen Bezug zum nachgerade typischen karthagisch-sikulopunischen Mün
 zbildmotiv\, dem einzelnen Pferd (oder Pferdekopf) her\, das in der Forsch
 ung längst als Symbol des Ba’al gelesen wird. Diskutiert wurde daraufhi
 n\, inwieweit Münzikonographie generell offen für ‚interpretationes’
  ist oder inwieweit gerade in Sizilien als einem charakteristischen ‚Mid
 dle-ground’ diese Offenheit der Verständnisangleichung besonders günst
 ige Rahmenbedingungen findet.\nDen Abschluss bildete Yu-Jin Lee (Historisc
 hes Institut der RUB: „Die Götter im Vertrag zwischen Hannibal und Phil
 ipp V.“) mit einem Referat\, das wieder an den Anfang der Tagung\, näml
 ich die methodischen Ausführungen Lichtenbergers über die Problematik vo
 n interpretatio führte. Die Referentin stellte die Forschungsdiskussion d
 ar\, die seit mehreren Generation der bei Polybios (9\,7) überlieferte Ve
 rtragstext des Jahres 216/5 v. Chr. generiert hat. Da der Geschichtsschrei
 ber des 2. Jh.v. Chr. explizit den Wortlaut wiederzugeben behauptet und au
 ch der philologische Nachweis geführt worden\, dass dem griechischen Text
  eine punische Version zugrunde gelegen haben muss\, wurden die in der ein
 leitenden Schwurformel namentlich aufgeführten neun Gottheiten (u.a. Zeus
 \, Hera\, Herakles\, Ares\, Triton\, Poseidon) stets als die griechischen 
 Pendants zu den punisch-karthagischer Götter und Göttinnen aufgefasst\, 
 die es nun zu eruieren gelte. Die zahlreichen Vorschläge für ein gleichs
 am religiöses ‚Vokabular’\, also die Benennung jener neun phönizisch
 -karthagischer Gottheiten\, sind bis auf die Gleichung Herakles = Melqart 
 widersprüchlich\, weil\, wie die Referentin eindrücklich zeigte\, die Ar
 gumente nicht nur aus den sehr problematischen Prämissen über die fortge
 setzte Existenz alt-levantinischer Gottheiten im hellenistischen Karthago 
 gewonnen werden\, sondern auch aus den in sich unklaren und voraussetzungs
 reichen phönizischen Schriftquellen\, oftmals bilinguen Inschriften mit o
 nomastischen Indizien. Somit ist kaum eine Argumentation für die ‚inter
 pretatio’ dieser ‚Schwurgottheiten’ zwingend\, hier liegt tatsächli
 ch eine noch zu überwindende ‚Auflistungsmentalität’ in der einschl
 ägigen Forschung vor.                \nDie Abschlussdisku
 ssion konnte sich somit gleichsam nahtlos anschließen\; in ihr wurden noc
 hmals grundlegende Positionen gesammelt und mit der eingangs zitierten Def
 inition der Osnarbrücker Tagung zu einer sehr ähnlichen Thematik verglic
 hen. Es ließ sich ein gewisser Konsens darüber herstellen\, dass interpr
 etatio nicht dezidiert empfundene kulturelle Unterschiede überwindet\, so
 ndern sich eher mühelos vor allem dort vollzieht\, wo ein großer gemeins
 amer Nenner bei den Gottheiten der jeweiligen Seiten wahrgenommen wird\, a
 llem Anschein nach hinsichtlich der Funktionen dieser Gottheiten und auf d
 em Hintergrund sehr konkreter religiöser Bedürfnisse derjenigen Personen
 \, die in fremdem Gebiet den Gottheiten mit einem ihnen zunächst fremden 
 Namen begegnen. Diskutiert wurde\, inwieweit die Träger dieser Kommunikat
 ion ‚zwischen Asien und Europa’ Händler\, Migranten oder wandernde Sp
 ezialisten (bis hin zum Kriegshandwerker) waren bzw. inwieweit die Grieche
 n die neue Kultur zu sich holten oder sie zu ihnen gebracht wurde\, doch g
 ab es dazu kein abschließendes Ergebnis. Einigkeit bestand aber darüber\
 , dass sich das Phänomen der interpretatio romana in einem etwas anderen\
 , letztlich leichter zu identifizierenden Rahmen abgespielt haben dürfte 
 und hier die ‚Selbstromanisierung’ einen höheren Stellenwert gehabt h
 aben dürfte als eine ‚Selbsthellenisierung’ etwa der Phönizier/Punie
 r oder als eine ‚Selbstpunisierung’ von Hellenen in der Levante oder i
 m westlichen Mittelmeerraum.           \nEine Drucklegung der T
 agungsbeiträge* wird erwogen\, wobei die einzelnen Referenten gebeten wor
 den sind\, in ihrer Verschriftlichung dezidiert zum jeweiligen Verständni
 s von ‚interpretatio’ explizite Aussagen zu treffen.\n*Herausgeberinne
 n: B. Morstadt\, L.-M. Günther\, in der Reihe „Contextualizing the Sacr
 ed“ im Verlag Brepols (2012)
URL:https://ceres.rub.de/en/events/interpretatio/
END:VEVENT
END:VCALENDAR
