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„Atmosphären“: Sakrale Räume zwischen Immanenz und Transzendenz. Zum Potenzial eines Konzepts für die Religionsforschung

Konferenz


CERES-Palais, Raum "Ruhrpott" (4.13)

Dass Sakralräumen in den verschiedensten religiösen Traditionen die Aufgabe zukommt, Trans­zendenz mit immanenten Mitteln verfügbar zu machen, ist verschiedentlich festgestellt worden (z. B. Hager 1957, 640; Witt­mann-Englert 2006, 7; Bergmann 2007, 368; Krech 2012, 20–21). Gebaute Räume leisten dies aber nicht ‚von sich aus‘, sondern – so die Vermutung – durch „Atmosphären“. In einer vorläufigen Definition sind „Atmosphären“ das realisierte semantische Potenzial räumlich-materieller Arrangements, das die Bedeutung, Wirksamkeit und sinnliche Wahrnehmung physischer Umwelten sowie damit verbundene kommunikative Vorgänge ermöglicht und beschränkt.

Die Zusammenhänge zwischen räumlicher Semantik, Atmosphären und Transzendenz/Im­ma­nenz wurden aus religionswissenschaftlicher Sicht bislang nicht systematisch untersucht, obwohl das Konzept „Atmosphäre“ in Nachbardisziplinen wie der Philosophie und Architekturwissenschaft bereits diskutiert wird (z. B. Schmitz 1969; Böhme 2013; Haepke 2013). Auch die rezenten Perspektivenwechsel in den Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften wie spatial, somatic oder material turn adressieren Aspekte dessen, was Atmosphären ausmachen. Hier setzt die Tagung an: Im interdisziplinären Gespräch soll diskutiert werden, ob und wie das Konzept „Atmosphäre“ für die Religionsforschung methodisch und theoretisch von Nutzen sein kann.

Nicht zuletzt sind religiöse Orte und Bauten – gerade in kulturell und religiös pluralen Gesellschaften – immer auch „Kontaktzonen“ (Pratt 2008). Nicht nur ihre „räumliche Ikonizität“ (Engelbart/Krech 2016, 199) ist ein Ankerpunkt für interkulturellen Kontakt (s. a. Knott et al. 2016), auch ihre Atmosphäre kann in der emischen Sichtweise „einladend“ oder „ausgrenzend“, „kühl“ oder „warm“ wirken (Bergmann 2010, 40). Der Verlauf inter- und intrareligiösen Kontakts wird somit entscheidend von Atmosphären beeinflusst. Diese Vorgänge lassen sich mit einem analytisch konturierten Atmosphärenbegriff besser beschreiben und verstehen.

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