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The Ten Lost Tribes. A Cross-Cultural Approach

Das Forschungsprojekt The Ten Lost Tribes: Cross-Cultural Perspective wird von der German-Israel Foundation (GIF) finanziert. In diesem dreijährigen Gemeinschaftsprojekt untersuchen deutsche und israelische Forscher/innen die Rolle der sogenannten "verlorenen" Stämme Israels und ihrer zugeschriebenen Wohnstätte, die hinter dem legendären Fluss Sambation liegend und überbordend mit Getier und Edelsteinen sein soll, sowohl in römischen als auch christlichen, muslimischen und jüdischen Quellen.

Die "verlorenen" Stämme Israels werden als Nachfahren jener Stämme des alten Königreichs Israel angesehen, die nicht aus der babylonischen Gefangenschaft zurück nach Palästina kamen. Sie hatten sowohl einen prominenten Platz in der jüdischen Geschichtsschreibung, als auch in messianischen Erwartungen und geografischen Vorstellungen. So beschreiben seit über tausend Jahren jüdische Reiseberichte Orte, an denen die Stämme vermeintlich gesichtet wurden. Darüber hinaus reicht die Frage nach ihrem  Verbleib bis in die politischen Diskurse hinein. 

Gleichermaßen läßt sich das Motiv der verlorenen Stämme auch in der christlichen Gedankenwelt finden, etwa in den eschatologischen Lehren. In der christlichenEndzeiterwartung müsse das jüdische Volk geeint sein, damit das Weltenende stattfinden könne. Wenn dies nicht geschehe, sei dies eine Gefahr, denn jüdische Stämme könnten sichauf die Seite des Antichristen schlagen. Bis in die frühe Neuzeit beeinflussten Spekulationen über den Ort dieser jüdischen Stämme, ihrer Königtümer und ihrer vermeintlichen Macht die christliche Ideenwelt immer wieder.

Schließlich lässt sich Ähnliches im islamischen Kontext beobachten: Hier werden die verlorenen jüdischen Stämme als besonders tugenhaft angesehen, da sie in der Endzeit dem Messiah und den Muslimen zu Hilfe kommen um gegen den Anti-Messiah, bzw. Daddschāl, zu kämpfen. Dieser wiederum werde von untugendhaften jüdischen Stämmen unterstützt. Das Motiv der verlorenen jüdischen Stämme ist ein integraler Aspekt des innermuslimischen Diskurses über die Stellung der Juden zur Umma.

Das Forschungsprojekt versucht einerseits, die Gemeinsamkeiten von und die gegenseitigen Einflüsse zwischen jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubensinhalten in Bezug auf die verlorenen Stämme Israels nachzuzeichnen - und andererseits wie dieses Motiv von verschiedenen jüdischen, christlichen und muslimischen Gruppierungen benutzt wurde, um in den Dialog zu treten und welchen Einfluss dieses auf den Umgang miteinander seit der Antike bis in die Gegenwart gehabt hat.
 

Förderzeitraum

01.2015 - 12.2017
 

Gefördert von

Beteiligte Personen